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Dem Unkraut zu Leibe rücken

Seit den Diskussionen um Biodiversität, Pflanzenschutz, Bienensterben und Pestizidrückstände in Nahrungsmitteln wollen immer mehr Gartenbesitzer das Gärtnern für sich neu definieren. Die Industrie stellt sich mit umweltverträglichen Produkten darauf ein.

Unkrautvernichtung muss nicht immer Chemisch sein. Moderne Gartengeräte können dies auf gleiche weiße übernehmen.
Unkrautvernichtung muss nicht immer chemisch sein. Moderne Gartengeräte können dies auf gleiche weiße übernehmen.
Foto: Gardena

Wer die Berichterstattung der letzten Monate in der Presse zum Thema Glyphosat und Pflanzenschhutz verfolgt hat, weiß, dass dieser einfach anzuwendende Problemlöser inzwischen selbst zum Problem geworden ist: vor allem für die Landwirtschaft und für die Hersteller, denn es sind in den nächsten Jahren praktikable Ersatzpräparate oder -techniken gefragt.

Im Hausgarten besitzen viele Präparate bereits seit etlichen Jahren nur eine eingeschränkte Zulassung. So darf Glyphosat bereits jetzt nicht auf gepflasterten oder mit Platten belegten Flächen wie Terrassen und Wegen ausgebracht werden, sondern nur auf Erdreich. Dort kann man es aber sowieso nicht flächig versprühen, weil dann die Nachbarpflanzen gleich mit vernichtet werden. Gerade bei der Information über die Einschränkungen im Gebrauch ist auch der Fachhandel gefragt, weil dort offensichtlich noch Informationsdefizite herrschen.

„Unkraut zupfen ist Meditation“

Die neue Generation von Hobbygärtnern, die die Vorzüge des Schrebergartens für sich entdeckt hat und sich dem Urban Gardening mit Begeisterung hingibt, hat aber sowieso ein anderes Verhältnis zum Thema Unkraut entwickelt. Unkraut entfernen wird als eine Tätigkeit betrachtet, bei der man die Gedanken schweifen und kreative Ideen im Kopf entstehen lassen kann. Dazu passt sehr gut das Zitat der Autorin Susanne Wiborg: „Das ist ja das Erhebende an der Gartenarbeit: Ich vergaß Zeit, Raum und Steuererklärung.“ Schmutzige Hände gehören zum ganzheitlichen Gartenerlebnis unbedingt dazu, und es werden Rezepte in Blogs verbreitet, wie man aus Unkräutern wie Giersch leckere Smoothies herstellen kann nach dem Motto: Unkraut dezimieren durch Aufessen.

Mit Zupfen ist es natürlich nicht bei jedem Unkraut getan. Disteln und Löwenzahn mit ihren Pfahlwurzeln verlangen nach effizienten Hilfsmitteln. Der Unkrautstecher ist solch ein Gerät, das zwar nicht brandneu, aber vielfach bewährt ist. Dank seines teleskopierbaren Stiels lässt sich die Arbeitshöhe individuell einstellen. So kann man eine angenehme Arbeitshaltung einnehmen und rückenschonend im Stehen arbeiten. Das Unkraut wird durch Ziehen des praktischen Griffs entfernt. Das Unkraut wird mit den bis tief in den Boden reichenden Greifarmen aus Stahl umfasst und samt Wurzel aus dem Boden gezogen.

Auch andere Unkrautstecher besitzen ein einfaches, aber wirkungsvolles Funktionsprinzip. Ausgestattet mit zwei Spezialmessern, sind ein leichtes Eindringen in den Boden und ein müheloses Herausziehen des Unkrauts mittels einer Drehbewegung möglich. Praktisch ist der Auswerfer für leichtes Entfernen des ausgestochenen Unkrauts. Unkraut kann in aufrechter und rückenschonender Haltung ohne Bücken entfernt werden.

Für die einfacher zu entfernenden Unkräuter gibt es eine Vielzahl an Hacken, auch als kurze Handgeräte, zum Beispiel für Hochbeete. Die Hacken sind jeweils als Aufsatz für die verschieden langen oder auch teleskopierbaren Stielsysteme erhältlich. Es gibt auch spezielle Distelstecher.

Wer mit elektrischer Unterstützung jäten möchte, kann dies auch. Mit einen spezialgehärteten Stahlzinken lockeren, krümeln und jäteten und fördern die Entwicklung wichtiger Mikroorganismen im Boden, was eine verminderte Unkrautbildung mit sich bringt.

Wenn Sie wissen möchten welche Hersteller die umweltfreundlichen Geräte bereitstellen, dann schauen Sie in unsere März Ausgabe oder holen Sie sich einfach das markt in GRÜN Abo und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Entfernung mit Hitze

Mit heißen Wasser lässt sich Unkraut bei schwererreichbaren Stellen entfernen.
Mit heißem Wasser lässt sich Unkraut bei schwererreichbaren Stellen entfernen.
Foto: Scheppach

Für Löwenzahn zwischen Plattenfugen oder überhand nehmendes Unkraut auf Kieswegen gibt es einige clevere Lösungen. Durch Hitze kann Unkraut auf effiziente und umweltfreundliche Art und Weise ohne Pestizide vernichtet werden. Das Unkraut wird einfach mit auf 99 °C erhitztem Wasser besprüht. Das Wasser gelangt dabei bis zur Wurzel und sorgt für eine Gerinnung des Pflanzeneiweißes und ein Platzen der Zellen. So können die Pflanzen ihre Funktion nicht mehr erfüllen und sterben ab. Die trockenen Reste können dann einfach mit einer Fugenbürste, einer Harke oder einem Besen entfernt werden. Präzise Unkrautbekämpfung ist durch punktuelle Anwendung möglich, Erfolg stellt sich schon nach erster Anwendung ein.

Eine andere Möglichkeit ist das Abflämmen. Die Geräte sind flexibel einsetzbar, besonders an schwer zugänglichen Stellen rund um das Haus sowie an Außentreppen oder auf Terrassen.

Einige Modell sind mit einem automatischen Zündmechanismus ausgestattet, der eine sichere Handhabung ermöglicht. Die Gasbrenner werden durch zusätzliche Flammen vervollständigt, die bei größeren Flächen zum Einsatz kommen.

Glyphosatalternativen

Nach wie vor spielt Glyphosat bei der chemischen Unkrautbekämpfung eine wichtige, wenn auch geringer werdende Rolle. Um wirklich nur einzelne Unkräuter aus Beeten zu entfernen, gibt es die Möglichkeit, den Wirkstoff als Gel zu applizieren. Hier werden die Blätter bestrichen. Es haftet am Blatt und tropft nicht herunter. Es empfiehlt sich aber es nur zur Bekämpfung von schwer zu beseitigenden Unkräutern und hölzernem Unkraut wie Giersch, Brombeere, Efeu, Japanischer Knöterich und zur Behandlung von Stockausschlägen bei Gehölzen einzusetzen. Als Alternative gibt es auch Mittel auf der Basis von Essigsäure.

Ein weiterer Wirkstoff ist Pelargonsäure, eine gesättigte Fettsäure natürlichen Ursprungs, die wichtige Stoffwechselfunktionen zwischen den Zellen unterbindet und Zellwände zerstört. Zudem wirkt das Präparat, das als Fertigpräparat in der Sprühflasche und als Konzentrat zum Verdünnen erhältlich ist, schon bei niedrigen Temperaturen und ist als nicht bienengefährlich deklariert.

Ebenfalls sorgt Pelargonsäure dafür, dass die behandelten Unkräuter innerhalb weniger Stunden verbräunen. Sobald der Belag angetrocknet ist, können Haustiere die behandelten Flächen ohne Bedenken wieder betreten. Es ist biologisch abbaubar. Wichtig zu wissen ist, dass Unkrautvernichtungsmittel mit allen Wirkstoffen, also Glyphosat, Essigsäure und auch Pelargonsäure, nur auf gärtnerisch genutzten Flächen, das heißt in Beeten oder im Rasen, angewendet werden dürfen, also keineswegs auf Terrassen oder Wegen.

Wenn Sie wissen möchten welche Hersteller die umweltfreundlichen Geräte bereitstellen, dann schauen Sie in unsere März Ausgabe oder holen Sie sich einfach das markt in GRÜN Abo und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

14.08.2018

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