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Tulpen statt Rosen zum Valentinstag

Rosen Waibel im österreichischen Münchendorf hat einen ungewöhnlichen Schritt gewagt und von Freilandrosen auf Tulpen umgestellt – mit Erfolg. Heute ist das Unternehmen größter Tulpenproduzent im Land. Und die Waibels haben sich noch viel vorgenommen.

Im Gewächshaus von Rosen Waibel haben Tulpen die idealen Wachstumsbedingungen.
Zu erst produzierte Rosen Waibel nur Rosen. Der Erfolg kam aber mit den Tulpen.
Foto: Maike Walter

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt: Ein altbekanntes Sprichwort, das den Werdegang von Marco Waibel und seiner Frau Jasmin gut beschreibt. Vor etwa zehn Jahren begannen der Gärtner und die Meisterfloristin in Münchendorf in Österreich mit der Produktion von Freilandrosen. Der kleine Ort in Niederösterreich liegt etwa eine halbe Autostunde von Wien entfernt. „Wir haben ganz klein angefangen. Zunächst stand hier nur ein Container und drum herum war gar nichts“, erinnert sich Marco Waibel. Nach etwa drei Jahren musste sich das Ehepaar allerdings eingestehen, dass der große Erfolg immer noch ausblieb. Welchen Grund das hatte? Zum einen sei das niederösterreichische Klima nicht ideal für Freilandrosen, erklärt Marco Waibel. Zum anderen war die Nachfrage der Kunden nach den Sorten einfach zu gering.

Veränderung war deshalb ihr Stichwort. Statt das Handtuch zu werfen, stellten die Waibels auf Tulpen um. Die Entscheidung fiel eher zufällig. Richtig war sie in jedem Fall. Denn seither läuft das Geschäft. Mit einer Produktionsrate von 20.000 Tulpen in der Stunde sind die Waibels heute der größte Tulpenproduzent in Österreich. Für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter an der Sortiermaschine bedeutet das: 3.500 Zwiebeln pro Stunde vom Band nehmen, überprüfen und anschließend in eine der schwarzen Pflanzkisten stecken. Ist diese mit Zwiebeln gefüllt, geht sie in das hochmoderne Gewächshaus. Die 2.000 Tische, auf denen jeweils 16 Pflanzkisten Platz haben, werden alle separat bewässert. So lässt sich eine ideale Wasserzufuhr garantieren. Nach sechs Wochen haben die Tulpen das gewünschte Wachstumsstadium erreicht. Dann werden sie von Angestellten aus den Kisten genommen, maschinell abgeschnitten und vor Ort zu Sträußen gebunden.

Vertrag per Handschlag

Auch Tulpenzwiebeln für den Hausgebrauch werden im Showroom in Münchendorf verkauft.
Auch Tulpenzwiebeln für den Hausgebrauch werden im Showroom in Münchendorf verkauft.
Foto: Maike Walter

Zu den Abnehmern gehören sowohl große Lebensmitteleinzelhändler als auch Gartencenter und Floristen im In- und Ausland. Exportiert wird nach Ungarn, Slowenien, Italien, in die Schweiz und nach Deutschland. In der Bundesrepublik hat sich Rosen Waibel mit rund 200 Abnehmern bereits einen beachtlichen Kundenstamm aufgebaut. Verträge mache er per Handschlag, verrät Marco Waibel. Ein großer Vertrauensvorschuss gegenüber den Abnehmern, der sich auszahlt. Der Jahresumsatz des Unternehmens beläuft sich auf rund 20 Millionen Euro. Den Großteil erwirtschaften sie mit der Schnittblumenproduktion. Hinzu kommen die Erträge aus dem Verkauf von Topfrosen.

Die Waibels haben der Rosenproduktion nämlich nicht vollständig den Rücken gekehrt: In einer Schwester-Niederlassung in Vorarlberg werden über 400 Topfrosen-Sorten kultiviert. Zudem betreiben die Waibels auf dem Münchendorfer Gelände einen Showroom mit Endkundenverkauf. Neben den eigenen Sträußen und Tulpenzwiebeln für Zuhause gehören auch moderne Gestecke und Hartware zum Sortiment. Ein Online-Shop bedient die Privatkunden, die nicht in der Gegend wohnen.

„Tulpen aus Münchendorf = keine Tulpen aus Amsterdam“

Im Showroom werden Blumen, Gestecke und Hartware an Endkunden verkauft.
Im Showroom werden Blumen, Gestecke und Hartware an Endkunden verkauft.
Foto: Maike Walter

Die Geschichte der Waibels zeigt, dass es sich lohnen kann, etwas zu riskieren. Auf seinem Erfolg will sich das Unternehmerpaar allerdings nicht ausruhen. Sie haben große Pläne. Im Mai 2020 wird ein zweiter Showroom und ein Cash & Carry Markt eröffnet. Ihr langfristiges Ziel ist es, der Konkurrenz vom Niederrhein und vor allem aus Holland den Rang abzulaufen. „Tulpen aus Münchendorf = keine Tulpen aus Amsterdam“ heißt es auf der Webseite. Eine klare Ansage.

Schaffen wollen die Waibels das, indem sie ihren Abnehmern gezielt das anbieten, was sie den eigenen Kunden gewinnbringend weiterverkaufen können. „Das ist schließlich das Maß, mit dem wir gemessen werden“, erklärt Marco Waibel. Dass sich das Geschäft so gut entwickelt hat, haben sie aber nicht nur ihrem eigenen Können zu verdanken, sondern auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, meint der gelernte Gärtner. „Wir haben hier ein super Team. Viele unserer Angestellten, die vor zehn Jahren als Hilfsarbeiter bei uns angefangen haben, tragen heute sehr viel Verantwortung. Sie sind mit unserem Betrieb mitgewachsen - sozusagen mit der Rosen-Waibel-DNA.“

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14.02.2020

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