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„Der nächste Kunde, bitte!“

Aktuell ist die Anzahl der Kunden, die sich zeitgleich in einem Geschäft aufhalten dürfen, begrenzt. Smarte Technologien ermöglichen es dem Handel, dies besser und automatisiert zu kontrollieren. Und auch nach Corona können solche digitalen Tools hilfreich sein.

Einkaufszentrum
Die Nachfrage nach Systemen zur smarten Besuchermessung ist in Zeiten von Corona deutlich gestiegen.
Foto: Pixabay

Vor einem Möbelhaus am Freitagvormittag: Ein Mitarbeiter steht mit einem Handzähler vor dem Eingang und klickt, sobald jemand hineingeht. Gleiches Bild am Ausgang. Hier wird gezählt, wie viele Personen die Filiale verlassen. Dadurch will man sicherstellen, dass die Vorgabe von eine Person pro 20 Quadratmeter eingehalten wird. Eine Übergangslösung, die der aktuellen Corona-Lage geschuldet ist. Doch es geht auch smarter. Und ohne, dass man dafür zwei Angestellte als Türsteher abstellen muss. Sensorik ist das Zauberwort.

Jegliche Lösung denkbar

Die Technik, die erfasst, wie viele Menschen sich gleichzeitig in einem Laden oder an einem Ort im Freien aufhalten, ist nicht neu. „Wir haben uns auch vor Corona schon mit dem Thema Besuchermessung beschäftigt. Beispielsweise wurde die Technik bereits auf einem Wertstoffhof installiert. Hier war aber ursprünglich das Ziel, die Wartezeiten der Menschen zu überprüfen“, erklärt Gerhard Gruber, Geschäftsführer von eXXcellent solutions. Das IT-Unternehmen ist Gesellschafter des Unternehmens citysens, das die Stadt Ulm beim Aufbau einer Smart-City-Plattform unterstützt. Seit den Beschränkungen der Kundenzahl durch die Corona-Pandemie sei die Nachfrage nach Systemen zur Besuchermessung aber deutlich gestiegen, ergänzt Gerhard Gruber. So wurde etwa vor kurzem im Feneberg-Supermarkt in der Ulmer Frauenstraße eine Personenzählanlage installiert – eine der ersten Lösungen, deren Daten über die neue Ulmer Smart-City-Plattform verarbeitet werden. Auch das Getümmel am Ulmer Wochenmarkt soll sich dadurch bald kontrollieren lassen. „Wir testen derzeit diverse Lösungen aus – auch im grünen Handel. Es gibt viele Möglichkeiten. Was die Sensorik betrifft, arbeiten wir anbieterunabhängig. Dadurch lässt sich jede Räumlichkeit individuell mit einer Zählanlage ausstatten, egal ob Markt oder offener Außenbereich“, sagt der IT-Spezialist.

Technik mit Potenzial

Die smarte Besuchermessung ist aber nicht nur in Zeiten von Corona hilfreich. Sie kann auch in Zukunft dazu beitragen, das Einkaufen vor Ort attraktiver zu gestalten. Sind beispielsweise mehrere Standorte eines Händlers smart vernetzt, kann der Kunde online prüfen, wie voll es gerade in den verschiedenen Märkten ist und wie lange er etwa an der Kasse warten müsste. Der Standort, der zu dem Zeitpunkt am leersten ist, wird empfohlen. Ähnlich eines Parkleitsystems. Doch auch stadt- bzw. händlerübergreifende Lösungen sind denkbar, wie es in Ulm derzeit in Planung ist. Denn wer weiß, in welchem Geschäft es sich gerade gut einkaufen lässt und wo man lieber an einem anderen Tag hingehen sollte, shoppt entspannter und greift im Zweifel nicht frustriert auf die Online-Anbieter zurück. „Die Technik ist vorhanden. Corona hat an vielen Stellen aber dafür gesorgt, dass die smarte Anbindung, zumindest hier in Ulm, schneller vonstattengeht als geplant“, berichtet Gerhard Gruber.

citysens Besucherzählung
Karte der Ulmer Netzwerks LoRaWANS, über das smarte Daten gesammelt und bearbeitet werden.
Foto: citysens/eXXcellent Solutions

20.05.2020