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Auf einen Tee mit Klaus Kölle

Markt in Grün hat sich auf einem Tee mit Klaus Kölle, einen der Geschäftsführer von Pflanzen-Kölle getroffen und hat mit ihm über die Herausforderungen des Gartenfachhandels von gestern, heute und morgen gesprochen.

Klaus Kölle findet das grüne Geschäft auch nach Jahrzehnten noch immer spannend.
Klaus Kölle findet das grüne Geschäft auch nach Jahrzehnten noch immer spannend.
Foto: privat

Wer Klaus Kölle zum Interview besucht, lebt gesund. Ganz naturverbunden lässt der Gartencenter-Unternehmer der ersten Stunde neugierige Gesprächspartner neben frischem Obst und Kaffee auch von seinem ganz persönlichen Jugendelixier probieren: einem Jasmintee mit Honig und einem Schuss Apfelessig. „Schmeckt speziell, hält aber fit“, ist der 84-Jährige überzeugt, und der Elan, mit dem er nach vielen Jahrzehnten noch immer das Gartencenter-Business begleitet, gibt ihm recht.

Mehr noch. Wenn man auf das Lebenswerk von Klaus Kölle blickt, wird klar: Einen eigenen Kopf zu haben schadet nicht, sei es bei der Auswahl des Lieblingsgetränks oder dem Unternehmersinn. Genau den hat Kölle früh bewiesen. Heute verwaltet er noch mit Begeisterung den Bereich Baumschule und Stauden und unterstützt den gärtnerischen Außenauftritt der Pflanzen-Kölle Gartencenter.

Das erste Gartencenter Europas: Im Jahr 1957 eröffnete Kölle in Heilbronn eine Selbstbedienungsgärtnerei.
Das erste Gartencenter Europas: Im Jahr 1957 eröffnete Kölle in Heilbronn eine Selbstbedienungsgärtnerei.
Foto: Pflanzen Kölle

Als sein Vater Hugo Kölle 1957 in Heilbronn seine erste Selbstbedienungs-Gärtnerei gründete, war Sohn Klaus gerade mal 22 Jahre jung, alt genug jedoch, um zu verstehen, dass revolutionäre Zeiten ins Haus standen. Es waren die Anfangsjahre der Gartencenter-Branche und Kölle von Beginn einer, der diese mitgestaltet hat.

„Hin zum Kunden“

„Hin zum Kunden“, lautete schon in den frühen Sechzigern die familiäre Devise, die Pflanzen-Kölle schneller und gezielter als viele andere in der Filialisierung voranbrachte. Inzwischen betreibt das noch immer in Familienbesitz befindliche Unternehmen bundesweit 13 Standorte.

Insbesondere der frühe und mutige Schritt in den 60er-Jahren nach München und Anfang der Neunziger nach Berlin und Umgebung sorgte in der Branche durchaus für Beachtung. Aus Sicht von Klaus Kölle ähnelten die Herausforderungen damals auf frappierende Weise den aktuellen. „Der SB-Kunde will auch heute schnelle Entscheidungen treffen, die wir ihm so leicht wie möglich machen sollten“, ist er überzeugt. Und: „Man braucht Strategien.“

Umsetzung finden diese bei Pflanzen-Kölle bereits seit 2005 in dem Konzept der Garten-Erlebniswelt. Spaß am Einkauf, Inspiration, Aktionen und Events sind dabei wichtige Stichworte. Doch auch eine kritische Parallele zur aktuellen Situation bleibt nicht aus. „Als mein Vater 1962 eine damals unglaubliche Summe in den Bau einer ersten Filiale in München steckte, und damit genau dort, wo nach Postleitzahl-Analysen der damaligen Versandkunden viele Kunden zu erwarten waren, warnte sein Freund Hermann Kordes: ,Entweder du verdienst zu viel, oder du bist verrückt‘“, erinnert sich Kölle.

Eine Marktanalyse liefert auch die Studie „City Gardening“. Sie geht auf die neue Zielgruppe der Stadtgärtner ein und erklärt welche Potenzial in dieser Zielgruppe steckt. Außerdem unterteil sie die Zielgruppe in vier Gruppen und gibt Beispiele für das richtige Sortiment für die Gärtner in der Stadt. Die Studie können Sie über unseren Baufachmedien-Shop erwerben.

Zur Studie

Heute noch liegen die meisten Pflanzen-Kölle-Gartencenter an der Peripherie der Städte und damit in der Nähe einer wachsenden Klientel, die es in die Städte zieht.

Gestern wie heute

Eine weitere Konstante sei die Suche nach der optimalen Auslastung der Gartencenter. „Auch heute sind die Umsätze, abgesehen von den verkaufsstarken Weihnachtsausstellungen, in den Wintermonaten geringer als in der Saison. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen dennoch das ganze Jahr beschäftigt werden.

Eine weitere Sorge gilt dem richtigen Sortiment. Viel zu schnell, sagt er, habe man seinerzeit etwa den Baumärkten das Geschäft mit Rasenmähern und Ähnlichem überlassen. Retrospektiv erklärt Kölle das mit Berührungsängsten, die man anfangs mit dem fremden Sortiment hatte. Auch Grills und Gartenmöbel hätten erst allmählich ihren Weg auf die Flächen der Gartencenter gefunden. Welche Produkte sind heute wegweisend? Und welche Vertriebswege?

Von Webshop bis Eigenmarke

Für Klaus Kölle ist klar: Ohne die Vernetzung von On- und Offline geht es nicht. Einen singulären Webshop hält er dagegen für schwierig. Logistik sei ein zentrales Thema. Ideal findet er „die schnelle Drehzahl und eine Belieferung am liebsten just in time“. Eigenmarken seien ein wichtiger Faktor als Alleinstellungsmerkmal und ebenso natürlich Qualität und Service.

Bei Pflanzen geht das für Klaus Kölle einher mit Frische, Fachwissen und seiner Vorliebe für „die besten Sorten“, die das Unternehmen zum Teil in eigenen Gärtnereien sowohl konventionell als auch im Bioanbau erzeugt.

Doch auch Investitionen sieht Kölle auf die Branche zukommen, sei es in Instore-Technologien wie Selfscanning, eine gut bewirtschaftete Gastronomie, die für einen Filialisten nicht immer einfach zu bewerkstelligen sei, visual Merchandising in den Märkten, personalisierte Werbung, Dienstleistungen wie Gartenpflege, Überwinterungsangebote, Pflanzservice oder immer wieder neue Aktionen – vom Bastelkurs bis zum Großevent, so Kölle.

Interviews mit Branchengrößen, neue Sortimente, innovative Gartencenter und Recht- und Managementstipps finden Sie jeden Monat im Fachmagazin Markt in Grün. Abonnieren Sie jetzt das Heft für ein Jahr oder testen Sie es für zwei Monate.


Seine Vision ist, dass die Kunden sich im Gartencenter wohlfühlen und „die Seele baumeln lassen“. Diesem Ansatz war schon sein Vater Hugo gefolgt, der früh erkannte, dass man temperierte Zonen im Gartencenter braucht, in dem man das wachsende Angebot zeigen und den Kunden eine Wohlfühlzone bieten kann.

Raum zu wachsen

 Kathrin Setz und Christian Wenk leiten die Produktionsgärtnerei in Heilbronn
120.000 Rosen in 120 Sorten: Kathrin Setz und Christian Wenk leiten die Produktionsgärtnerei in Heilbronn, die neben der Königin der Blumen vor allem Gräser und Stauden kultiviert.
Foto: Onusseit

Damit dies gelingt, müsse man auch die Mitarbeiter mitnehmen, sagt der Firmensenior. Und den kommenden Generationen Raum lassen. Er selbst wollte nicht wie einst sein Vater erst mit 80 das Geschäft an die Folgegeneration abgeben. Also legte er die Verantwortung bereits 2005 in die Hände seiner Tochter Angelika.

Auch heute noch ist Kölle ein Familienunternehmen in siebter Generation mit nur familiären Anteilseignern. Das Tagesgeschäft bestreitet dagegen seit fünf Jahren Jörg Greimel als erster familienexterner Geschäftsführer. Mehr zur Unternehmensstrategie verrät Klaus Kölle nicht. „Wir sind ein schwäbischer Betrieb“, witzelt er, „bodenständig, sparsam und, wenn man so will, in der Kommunikation nach außen zurückhaltend.“ Mit ganz eigenen Werten eben.

Der Artikel stammt aus der Ausgabe 10/2019. Das ganze Heft können Abonnenten digital hier lesen .

08.11.2019