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Alte Obst- und Gemüsesorten im Trend

Alte und wiederentdeckte Obst- und Gemüsesorten für den heimischen Garten werden bei den Kunden immer beliebter. Auch Gartencenter sollten sich darauf einstellen.

Die Sorte Roter Boskoop ist zum Beispiel bei Äpfeln wieder gefragt.
Die Sorte Roter Boskoop ist zum Beispiel bei Äpfeln wieder gefragt.
Foto: Birgit Pfaus

Der Apfel – in früheren Zeiten war er in der deutschen Küche noch viel beliebter und allgegenwärtiger als heute. Die Sorte „Schöner von Boskoop“ war als Beilage zu herzhaften Fleischgerichten beliebt, Apfelkompott wurde bei vielen Gerichten dafür verwendet, den Geschmack abzurunden. An dunklen Herbstabenden dufteten Bratäpfel in der guten Stube, und am Weihnachtsbaum hingen nicht nur schmückende Engelchen aus Holz oder filigrane Kugeln aus Glas, sondern für die Kinder zum „Plündern“ auch Lebkuchen und Äpfel – nämlich die Sorte „Rote Sternrenette“. Solche traditionsreichen alten Sorten wollen nun immer mehr Hobbygärtner bei sich zu Hause haben. Nicht gleichförmig und wässrig sollen die Äpfel sein, sondern intensiv schmecken.

Es ist nicht nur Nostalgie, die Kunden zu alten Sorten greifen lässt, es ist eine Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und Reinheit – und danach, das „Gute von früher“ zu bewahren, auch als Kultur-Gut im wahrsten Sinne des Wortes. Schließlich schwärmte schon der Dichter und begeisterte Botaniker Johann Wolfgang Goethe vom Apfel. Er hatte Apfelbäume genauso in seinem Garten wie unter anderem vielfältige Kräuter, Kürbisse, Topinambur, Rapontica und Pastinake. Auch die sind Klassiker, die teils seit einigen Jahren eine Renaissance erfahren – in der Küche und auf Märkten genauso wie in den Gärten. „Ja, wir sehen ganz eindeutig einen Trend. Die Kunden fragen in den letzten Jahren vermehrt nach den sogenannten alten Sorten – ob bei Kräutern oder Tomaten“, sagt die 51-jährige Gemüsegärtnerin Monika Lehnert vom Gartencenter Lambert in Trier, die 30 Jahre Erfahrung mit Pflanzen und Kundenwünschen hat.

„Ob für den großen Gemüsegarten, das Hochbeet oder den Balkon, die Leute möchten Pflanzen, die eine Tradition haben und sortenrein sind“, erklärt sie. Wie etwa die alte Apfelsorte Boskoop oder hier, in der Gegend rund um Trier, den alten Viez-Apfel, aus dem das beliebte gleichnamige Getränk gemacht wird. Beim Gemüse seien blauer und weißer Kohlrabi, Wirsing, Blumenkohl, Rot- und Weißkohl besonders in der Verbrauchergunst. Den Trend zu alten Obst- und Gemüsesorten beobachtet und bedient auch die Firma „LA‘BiO! Kräuter und Gemüse“, die das Gartencenter Lambert beliefert. Zu ihren Kunden gehören vor allem inhabergeführte Fachgartencenter, um die Marke exklusiv zu halten, der Botschafter der Marke, die frisch und zugleich ursprünglich daherkommt, ist Star-Koch Johann Lafer. „Alte robuste Sorten sind sehr im Trend beim Gemüse“, erklärt Danny Rankers von Gartenbau Rankers aus Auwel-Holt, die „LA‘BIO“ beliefern. „Eine Produktgruppe bei unseren Tomaten nennen wir Historische Tomaten. Diese Sorten machen bei uns einen sehr großen Anteil unserer kompletten Tomatenproduktion aus“, so Rankers. Gartencenter würden diese Produktgruppe auch gerne für spezielle Werbung nutzen.

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Run auf historische Sorten

Monika Lehnert weiß aus Erfahrung, dass ihre Kunden Pflanzen mit Tradition bevorzugen.
Monika Lehnert weiß aus Erfahrung, dass ihre Kunden Pflanzen mit Tradition bevorzugen.
Foto: Birgit Pfaus

Die angebotenen historischen Sorten: Die historische Aromatomate „Diplom“, die Pflaumentomate „Schwarze Pflaume“/„Prune Noire“, die Kirschtomate „Brin de Muguet“, die Kirschtomate „Schwarze Kirsche“/„Black Cherry“, die Pflaumentomate „Sliwowidnij“, die Reisetomate „Russian“, die Salattomate „Auriga“, die Sorte „Green Zebra“, die Wildtomate „Rote Murmel“, die Wildtomate „Golden Currant“. Das alles seien „sehr robuste Pflanzen, mit viel Ertrag – und resistent gegen Kraut und Braunfäule“. Dass die älteren Sorten voller Nährstoffe stecken, resistent und robust sind, hat auch Gemüsegärtnerin, Baumschulgärtnerin und Floristin Monika Lehnert beobachtet. Die Pflanzen seien zudem durch ihre regionale Verwurzelung auch besser fähig, sich veränderten Gegebenheiten anzupassen – etwa dem Klimawandel, Trockenheit, Hitze. „Außerdem sind, etwa bei den Äpfeln, die alten Sorten oft für Allergiker besser geeignet. Und es gibt ja immer mehr Allergiker“, erklärt sie. Das alles im Zusammenspiel beeinflusse das Bewusstsein der Kunden, lasse sie zudem ein Gefühl der Selbstbestimmtheit entwickeln – „die Kunden möchten selbst aus den Sorten Samen produzieren und diese auch wieder für die Neu-Aussaat verwenden können, sie möchten sie vermehren. Die gängigen Gemüsesorten bilden zwar auch Samen, doch aus ihnen wächst in der Regel etwas anderes als erwartet. Bei modernen Züchtungen spalten sich die Eigenschaften, die in der Elternpflanze vereint wurden, in der folgenden Generation meist wieder auf. Viele Kunden wollen darum keine F1-Hybride mehr“, so Lehnert. Das sei natürlich für die Firmen, die Samen anbieten, eine Herausforderung und Gefahr, schließlich beinhalte das auch, dass nicht ständig neue Samen gekauft werden.

Chance für den Fachhandel

„Doch mir ist wirklich aufgefallen: Teilweise kommen die Lieferanten der alten Sorten mit ihrer Produktion kaum nach, so beliebt sind diese; wir können gar nicht immer alle Pflanzen in unserem Verkauf anbieten“, sagt Monika Lehnert. Der Markt wachse wirklich ständig. Hobbygärtner suchen daher andere Wege, um an solche alten und traditionellen Samen und Pflanzen zu kommen. Beliebt sind etwa Saatgut-Tauschbörsen, wo echte Raritäten wie der Gute Heinrich, Baumspinat, der „Rote Meier“, ein dunkler Blatt-Amaranth, der seit dem Mittelalter in Deutschland kultiviert wird, die „Rheinische Zuckererbse“ oder die „Einloch-Bohne“, eine sehr ertragreiche Buschbohne, gehandelt werden, um nur einige zu nennen, ebenso Erdbeerspinat, Haferwurzel, Glückskleerübchen oder lila Tomaten. Eine bunte Vielfalt also, die auch manchem Gartencenter gut zu Gesicht stünde. Die Nachfrage ist jedenfalls da.

05.02.2019

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