zurück

Nachwuchs in das Gartencenter locken

Kinder als Kunden Kinder sind eine lohnende Zielgruppe – das erkennen auch immer mehr Händler und Hersteller. Um die Konsumenten von morgen schon früh mit einzubinden, lassen sie sich einiges einfallen. Ob Spielzeugrasenmäher oder Pflanz-Aktionen: Das macht Kindern Lust auf mehr.

Die kleine Antonia flitzt mit einem Viking-Traktor durchs Gartencenter.
Die kleine Antonia flitzt mit einem Viking-Traktor durchs Gartencenter.
Foto: Birgit Pfaus

Mama, schau mal, der Rasenmäher sieht genauso aus wie unserer, bloß in Klein. Darf ich den haben? Bitte!“ Ein rot-gelber Mini-Rasenmäher zum Preis von 11 Euro zaubert Kind und Mama ein Lächeln aufs Gesicht – und wird gerne mitgenommen. Denn Kinder finden es toll, Dinge für sich als Spielzeug zu haben, die Mama und Papa genau so in Groß benutzen. Umgekehrt finden es die Eltern niedlich, wenn die Kleinen mit dem ratternden Spielzeugrasenmäher im Garten hinter ihnen her flitzen. Darum gibt es immer mehr Produkte, die genau das können – die Welt der Großen nachahmen und trotzdem kindgerecht sein. Zwischen den grün-weißen Viking-Rasenmähern stehen beim Gartencenter Lambert in Trier auch Tret-Traktoren, mit denen die Kinder durch den Markt flitzen können. „Die sind total beliebt. Die Eltern schauen in Ruhe nach dem Sortiment, und die Kids dürfen das hier alles ausprobieren“, sagt Rosemarie Brosa, bei Lambert seit 38 Jahren für den Einkauf zuständig. Produkte extra für Kinder gebe es definitiv mehr als früher, und sie würden auch sehr gut angenommen, sagt die 62-Jährige und zeigt auf einen schwarzen Kinder-Weber-Grill inklusive Grillzange und Grillgut aus Kunststoff. Allein in den vergangenen zwei Jahren habe man um die zehn Prozent mehr Sortiment für Kinder in den Verkauf genommen, etwa bunte, leuchtende Clogs sowie bedruckte Mini-Gartenhandschuhe von Blackfox, oder viel Auswahl an kleinen Rechen, Besen, Schaufeln und anderem Werkzeug. „Kinder sind wichtig im Garten, sie helfen gerne mit – egal ob auf dem Land oder in der Stadt. Und sie sind wichtig im Gartencenter, kommen mit Eltern oder Großeltern. Wenn die Kinder gut gelaunt sind, sind auch die Eltern entspannter.“ Darum biete man auch immer wieder Aktionen für Kinder an. Etwa im Herbst Kürbisschnitzen.

Lohnende Investition für das Gartencenter

Und: Kinder sind die Kunden von morgen – und müssen daher von Klein auf „mitgenommen“ werden. Das bestätigen Experten. Dr. Gabriele Weimann arbeitet seit über 30 Jahren als Unternehmensberaterin bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Fachbereich Beratung im Gartenbau, unter anderem für Marketing im Einzelhandelsgartenbau. „Als Mutter von zwei lebhaften Kindern habe ich recht frühzeitig den Einfluss der Werbung auf diese Zielgruppe erfahren dürfen“, sagt sie. Das Wissen rund um Pflanzen und deren Verwendung sollte unbedingt von den Fachbetrieben vermittelt werden, denn dort liege die größte Authentizität. So hat sie Kindermagazine entwickelt, etwa Grünschnabel oder Betty Blüh. Diese Kundenmagazine für Kinder sind heute noch auf dem Markt erhältlich und werden sehr gut angenommen. Kinder seien als Zielgruppe sehr wichtig: „Denn aus Kindern werden immer Kunden. Und wofür die zukünftigen Kunden ihr Geld ausgeben, kann durchaus im Kindesalter stark beeinflusst werden – und zwar von den Eltern und Großeltern“, sagt Dr. Weimann. Sie rät dabei, die verschiedenen Altersgruppen im Blick zu behalten. Säuglinge und Kinder bis zu drei Jahren seien am ehesten zufrieden, wenn die Eltern auch zufrieden seien. Den Erwachsenen das Einkaufen so angenehm wie möglich zu machen, stehe hier also im Mittelpunkt. „Die Stimmung der Bezugspersonen von kleinen Kindern ist ein Grundpfeiler für die spätere Kauflust“, betont Dr. Gabriele Weimann.

Wie man unterschiedliche Zielgruppen begeistern kann, erfahren Sie im Fachmagazin „Markt in Grün“. Einmal im Monat stellt die Redaktion Neuheiten und Innovationen für die grüne Branche vor und wenn Sie noch kein Abo haben, dann testen Sie das Heft im Mini-Format.

Zum Mini-Abo

Das richtige Angebot für das richtige Alter

Drei- bis Fünfjährige hätten bereits große Freude daran, mit den Eltern gemeinsam etwas auszuwählen, und würden oft schon in die Kaufentscheidungen der Eltern einbezogen. Fünf- bis Siebenjährige seien an Aktionen zum Mitmachen sehr interessiert. Erfahrungen, die möglichst mit allen Sinnen gemacht werden sollten, stärkten das Selbstbewusstsein und damit auch die Bindung zum Erlebten.

Ab dem Alter von sieben Jahren hätten Kinder meist Taschengeld. „Da in diesem Alter die Wege meist noch von Erwachsenen begleitet werden, empfiehlt es sich, fachlich begleitende Informationen und passende Produkte für Kinder zu Mitmach-Aktionen anzubieten“, rät Dr. Weimann. Sieben- bis Zehnjährige schließlich entwickelten ein ausgeprägtes Markenbewusstsein. „Eine starke Bindung zu den Produkten und Möglichkeiten in einem Gartencenter bieten hier erlebnisreiche Aktivitäten in kleinen Gruppen. Dabei sollte die Kreativität und das Spüren aller Sinne gefördert werden, natürlich verbunden mit positiven Erlebnissen zu den Themenbereichen rund um Pflanzen und deren Verwendung“, rät die Expertin.

Aktionen für die Kleinen

Kinder lieben Produkte, mit denen sie die gleiche Arbeit im Garten tun können wie Mama und Papa.
Kinder lieben Produkte, mit denen sie die gleiche Arbeit im Garten tun können wie Mama und Papa.
Foto: Birgit Pfaus

Solche Aktionen gibt es beispielsweise beim Gartencenter Christ in Glauburg. „Kindergärten und Kindertageseinrichtungen sind gerne bei uns zu Gast. Die Kleinen bekommen mit ihren Erziehern eine Führung durchs Gartencenter, sie dürfen etwas einpflanzen und mitnehmen und wir frühstücken gemeinsam“, sagt Heike Wenzel aus der Geschäftsführung. Während größerer Veranstaltungen wie Frühlingsfest, Tag der offenen Gärtnerei und Herbstfest gebe es immer auch ein Kinderprogramm – ob mit Kinderschminken oder Basteln. Im Gartencenter findet sich übrigens auch die Zeitschrift „Grünschnabel“. Dazu habe man immer eine Schublade voll mit kleinen Aufmerksamkeiten für die Kinder. Auch bei Pflanzen-Kölle wird in den verschiedenen Filialen viel für die Bindung der kleinen Kunden getan. Die Palette der angebotenen Produkte ist ebenso groß wie die Zahl der Aktionen. Etwa die Kids-Gartenschule mit Basteln, Gartenarbeit- und Mitmachaktionen. Das ganze Jahr über gibt es immer wieder Termine mit verschiedenen Themen. Auch Kindergeburtstage kann man bei Pflanzen-Kölle feiern. Das Gartencenter als Ausflugsziel – und nebenher verkaufen sich die Produkte rund um Kinder und Familie viel besser. Produkte, mit denen die Kinder selbst etwas im Garten machen können, so wie zum Beispiel kindgerechte Anzucht-Sets. „Wir gestalten Erlebnisräume für die ganze Familie und möchten, dass auch unsere kleinsten Gäste sich bei uns wohlfühlen“, sagt Hans-Jörg Greimel von der Geschäftsführung. Deshalb setze man den Ausbau der Attraktionen für Kinder zukünftig noch stärker fort. „In den vergangenen fünf Jahren konnten wir unsere Kinderevents um ein Fünffaches steigern. Das bestätigt unseren Weg.“

Der Artikel erschien in der Februar Ausgabe 2019 von Markt in Grün. Das ganze Heft finden Sie, al Abonnent, als E-Paper in unserem Archiv.

Zum Archive

12.03.2019

Newsletter markt in GRÜN

Logo-Schriftzug markt in grün Newsletter
Sie möchten immer Up-to-Date sein? Wissen was es neues für die Grüne Branche gibt. Dann melden Sie sich für unseren Newsletter an.