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Jörg Greimel im Interview

Jörg Greimel treibt als Vorsitzender der Geschäftsführung den Wandel Pflanzen Kölles zum Erlebnisgartencenter voran. Über diese Strategie, die Zukunft des stationären Handels und andere drängende Zukunftsfragen sprach markt in GRÜN mit dem 53-Jährigen.

Jörg Greimel
Jörg Greimel ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Pflanzen Kölle.
Foto: Stefan Freiwald

Herr Greimel, schon im Jahr 1957 kam Hugo Kölle auf die Idee, ein Selbstbedienungsgeschäft für Pflanzen zu eröffnen. Das gilt als die Geburtsstunde der Gartencenter in Europa. Wie gut ist dieses Konzept heute noch?

Jörg Greimel: Das Geschäft hat sich sehr gewandelt. Heute haben wir viel Konkurrenz aus anderen Geschäftszweigen: Baumärkte, Discounter, Online-Handel und und und. Alle bieten Pflanzen an. Diese Kannibalisierung macht der Branche zu schaffen.

Wie müssen sich die Gartencenter wandeln, um weiter Erfolg zu haben?

Jörg Greimel: Wir wollen uns von den anderen Vetriebsformen klar abgrenzen, in dem wir auf Qualität und auf den Lustfaktor setzen. Es soll Spaß machen, bei uns einzukaufen. Schließlich verkaufen wir ein sehr emotionales Produkt und sind deshalb seit Jahren dabei, unsere Filialen in Erlebnisgartencenter zu verwandeln. Wir investieren viel Zeit und Geld in die Präsentation der Waren und bieten viel drumherum, veranstalten Events und vieles mehr. Und die Menschen mögen das. Seit drei Jahren steigen die Kundenzahlen wieder.  

Das Publikum in den Gartencentern ist nicht unbedingt jugendlich. Wie möchten Sie künftig mehr junge Menschen von ihren Gartencentern überzeugen?

Jörg Greimel: Ich finde das nicht schlimm. Unsere Hauptzielgruppe sind nun einmal die älteren Frauen, Paare und Familien mit einem höheren Einkommen. Sie schwören auf Qualität, Nachhaltigkeit und Regionalität. Und diese Zielgruppe wächst: Im Jahr 2050 wird der Anteil der Menschen im Alter über 55 Jahren um fast 25 Prozent steigen. Es gibt also keinen Grund zu klagen.

Viele Gartencenter probieren auch neue Vertriebswege aus. Wie läuft bei Ihnen der Online-Handel?

Jörg Greimel: Noch verdienen wir damit kein Geld. Unser Webshop ist jetzt im dritten Jahr online, derzeit mit rund 7000 Artikeln. Die Anzahl wollen wir schrittweise auf 20.000 steigern. Am besten läuft die Hartware, aber auch der Pflanzenversand wird beliebter. In erster Linie geht es uns darum, als Marke Präsenz im Netz zu zeigen.

Was passiert, wenn Amazon in den Handel mit Pflanzen einsteigt?

Jörg Greimel: Das Thema beschäftigt uns. Wobei ich glaube, dass wir eine gute Chance haben, mit unseren Eigenmarken und der Qualität der Pflanzen bestehen zu können. Und ich denke, so sorgfältig wie wir versenden nur wenige Anbieter ihre Pflanzen. Im Übrigen verkaufen auch wir über den Amazon-Marketplace.

Alles redet von Digitalisierung. Wie weit sind Sie beim digitalen Marketing?

Jörg Greimel: Der größte Anteil des Budgets fließt immer noch in die Prospektwerbung. Aber die digitalen Medien bekommen immer mehr Bedeutung. Wir haben neulich auch unser Kundenkartensystem umgestellt: Jetzt kennen wir persönliche Daten der Nutzer und ihre Vorlieben und können Ihnen ganz gezielte Angebote und Inhalte zusenden.

Und das ist mit der neuen gefürchteten Datenschutzgrundverordnung vereinbar?

Jörg Greimel: Sie können sicher sein, dass wir das mit unseren Anwälten ausgiebig geprüft haben.

Stichwort Fachkräftemangel. Wie schaffen Sie es, auch künftig genügend Personal für ihre Gartencenter zu bekommen?

Jörg Greimel: Das ist in der Tat ein Problem. Es gibt attraktivere und besser bezahlte Jobs als die im Gartencenter. Daher ist es gut, dass wir selbst ausbilden. Ein weiteres Argument für uns: Wir besitzen Wohnungen an den verschiedenen Standorten. Besonders in München, Heilbronn, Stuttgart und im Berliner Raum können wir unseren Mitarbeitern bezahlbaren Wohnraum anbieten. In der Filiale in Unterhaching bei München haben wir zahlreiche geflüchtete Menschen eingestellt. Das klappt hervorragend.

Sie sind seit vier Jahren Geschäftsführer bei Pflanzen Kölle und der erste, der nicht zur Familie Kölle gehört. Wie schwer war es, eingefahrene Strukturen aufzubrechen?

Jörg Greimel: Pflanzen Kölle hat natürlich eine lange Tradition, aber diese Tradition ist nicht so erdrückend, als dass sie alles überlagert. Im Gegenteil, das Unternehmen und seine Mitarbeiter schauen nach vorne und probieren gerne Neues aus. Ich glaube, das liegt auch daran, dass so viele Frauen bei uns arbeiten.

Das Interview führte Stefan Freiwald

Den Artikel zu "200 Jahre Pflanzen Köllen, finden Sie in unserer Juli Ausgabe

29.06.2018