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IPM 2020: Zwischen Dschungelfieber und Nachhaltigkeit

Was liegt im grünen Bereich im Trend? Wie lässt sich das Geschäft beflügeln? Antworten auf diese und mehr Fragen liefert die IPM Essen 2020. Die Wegweiser-Messe für den Gartenbau vereint die aktuellen Trends der Zeit – von Klima- bis Insektenpflanzen, von Produktion bis POS.

Pflanzen haben als Lifestyle-Produkte Konjunktur. Was gefragt ist, erfahren Besucher auf der IPM Essen 2020.
Pflanzen haben als Lifestyle-Produkte Konjunktur. Was gefragt ist, erfahren Besucher auf der IPM Essen 2020.
Foto: Messe Essen GmbH

Kein Thema hat im vergangenen Jahr die Gemüter so sehr erhitzt wie die Klimadebatte gepaart mit dem immer allgegenwärtigeren Streben nach Nachhaltigkeit. Kein anderes Argument, so scheint es, wird die Kaufentscheidung vieler Verbraucher auch in der kommenden Saison beeinflussen. Der Markt für Pflanzen gedeiht vor diesem Hintergrund.

Die Bedingungen für den erfolgreichen Absatz von Blumen und Pflanzen seien gut wie nie, heißt es. Tatsächlich ist Lebendgrün auch bei der favorisierten jungen Zielgruppe gerade hoch im Kurs. Insbesondere Zimmerpflanzen haben Konjunktur und längst den Switch zum Lifestyle-Produkt vollzogen. Gemeinschaftliches Gärtnern im öffentlichen Raum steht ebenso hoch im Kurs wie die liebevolle Ausstattung individueller Gärten und Balkone. Die Nachfrage nach Gehölzen und Bäumen ist ebenfalls gut. Klimapflanzen rücken in den Fokus. Stadtbegrünung wird zum Thema. Beste Vorzeichen also für ein blühendes Geschäft. Wohin der Trend geht, zeigt die IPM Essen 2020.

Buchsbaumersatz und Beeren

Bei den Baumschulen und Gehölzanbietern dreht sich alles um robuste Sorten, die einen Mehrwert versprechen, sei es eine besonders schöne Optik, Duft, gute Verzehreigenschaften oder Insektenverträglichkeit. So präsentiert die Baumschule Steiner (7 A12) mit dem Ilex Robustico einen Buchsbaumersatz, der stadtklimafest, sehr schattenverträglich, extrem winterhart und resistent gegen die weitläufig aggressiven Buchsbaumkrankheiten und Schädlinge ist. Ein weiteres Augenmerk liegt auf Bio-Beerensträuchern. Unter anderem Duftpflanzen stehen dagegen bei der Baumschule Christoph Marken (BCM) (Halle 7) und ihrem brandneuen Philadelphus-Konzept Fl´Aroma im Fokus. Für die Klassifizierung wurde eigens ein Parfümeur beauftragt. Das Ergebnis: drei Segmente (süß-fruchtig, frisch und holzig oder blumig). Extrem frostharte Beerensträucher gruppiert BCM in dem Konzept Polar Fruits, bei dem sich die Pflanzen durch besondere Frosthärte von bis zu -35 °C auszeichnen und dazu als Bienenweide dienen.

Die Baumschule Christoph Marken präsentiert ihr neues Philadelphus-Konzept Fl‘aroma.
Die Baumschule Christoph Marken präsentiert ihr neues Philadelphus-Konzept Fl‘aroma.
Foto: BCM

Dufte Sache

Ebenfalls auf Duft setzt die Baumschule Gerstenkorn (7 D14) mit dem Kübelgeeigneten, laubabwerfenden Duftrhododendron `Smell well`. Die Gewächse vereinen schönen Austrieb mit fruchtigem Duft, schöner Herbstfärbung und einer attraktiven Blüte von Mai bis Juni, heißt es. Schröder Rhododendron (7 D12) setzt ebenso auf das Trendthema Duft und präsentiert in Essen neue Duftazaleen. Die Rhododendron-Interessengemeinschaft Inkarho (7E13) stellt auf der Messe eine schnittverträgliche Dufthecke vor, ebenso den Happydendron als vierte Innovation in der Reihe erfolgreicher Inkarho-Kreationen wie Bloombux, Dufthecke und Easydendron. Von Behrens Pflanzen (7 E11) gibt es die die leuchtend rote Photinia Devil´s Dream zu begutachten. Im Winter grün, im Sommer feuerrot schafft das Gewächs Abwechslung im heimischen Garten. Eine weitere Besonderheit ist ihr kompakter und aufrechter Wuchs. Zum großen Switchen im Hortensien-Sortiment lädt die Baumschule Diderk Heinje (7 E14) auf der IPM 2020 ein. Die neuen Hydrangea paniculata `(S)witch´ wechselt wie von Zauberhand begleitet den ganzen Sommer über die Farbe ihrer Blüten. Sie ist zudem extrem winterhart und hält bis zu -25 Grad aus. Zweites Heinje-Highlight ist der neue Happydendron speziell für junge Käufer. Helmers Baumschulen (7 F14) schließlich zeigen besondere Bambus-Sorten, etwa die Formschnittgeeignete Fargesia ‚Moontears‘ EU-S. Einen klaren ökologischen Nutzen liefert die NektarGarten Kollektion von Kordes Rosen (7 E36) Die offen-blühenden Rosen folgen dem Trend zum naturnahen Garten und laden Bienen und Insekten ein. Die NektarGarten Sorten haben alle ADR und können so ohne Pflanzenschutzmittel den nutzbringenden Insekten ein Mahl ohne „Beigeschmack“ bieten.

Der Name ist Programm bei der ‚Smell Well‘ von Gerstenkorn
Der Name ist Programm bei der ‚Smell Well‘ von Gerstenkorn
Foto: Gerstenkorn Baumschulen

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Wildstauden im Kommen

Plastikfrei, ohne chemischen Pflanzenschutz und Bienenweide: Flowers for future von Stauden Köster.
Plastikfrei, ohne chemischen Pflanzenschutz und Bienenweide: Flowers for future von Stauden Köster.
Foto: Stauden Köster

Flowers-for-Future - Plastikfreie Stauden: So lautet das Konzept von Stauden Köster (7 F29). Gezeigt werden Stauden, die ohne Plastikmüll auskommen: Der Öko-Topf ist aus Altpapier und das Etikett am Holzstab aus Graspapier. Beim Transport werden Pfandpaletten oder Einwegtrays aus Altpapier genutzt. Vermarktet werden zudem nur robuste Stauden, die ohne chemischen Pflanzenschutz auskommen.

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Nicht nur die Pflanzen, sondern bereits die Kulturweisen in den Betrieben hinsichtlich ihrer Umweltverträglichkeit kritisch zu prüfen, ist Anliegen der Schachtschneider Stauden und Marketing GbR (2 B20). Seit Jahren steht im Unternehmen jeglicher Herbizideinsatz auf dem Index. Jetzt konnte ein weiterer Meilenstein beim Substrat erreicht werden: Sowohl Torf- als auch der mineralische Nährstoffanteil wurden auf unter 50 Prozent reduziert. Mit der Aktion „Natur pflanzen und fördern“ wird 2020 zudem erstmalig ein Wildstaudensortiment ohne Torfanteil, mineralischem Dünger und mit recyclingfähigem Plastiktopf angeboten. Ebenfalls im Fokus: Schmetterlingsstauden.
Auch der Staudenring (2 B20) widmet sich dem Thema Insekten und hat für 2020 das Wildstauden-Konzept „Natur pflanzen und fördern“ entwickelt. Es umfasst über 50 verschiedene einheimische Wildstauden. Der Fokus liegt auf Arten, die neben dem ökologischen auch einen Zierwert besitzen. Der blaue Schmetterling weist außerdem darauf hin, dass die heimischen Wildstauden in torffreiem, rein organisch gedüngtem Substrat kultiviert wurden. Der auffällige blaue 1-Liter-Topf wird aus recyclingfähigem Kunststoff hergestellt, womit sich ein geschlossener Kreislauf ergibt. Beim Etikett wird komplett auf Kunststoff verzichtet.

Top Thema Nachhaltigkeit

Ein neues, umweltschonendes Kulturverfahren sowie veränderte Verbrauchsmaterialien stellt Pellens Hortensien (2 E 25) vor. Im Gepäck hat der Produzent auch seine „Colour Club“-Farbmixe, für die Pellens kürzlich den Innovationspreis Gartenbau 2019 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft erhalten hat. Neu bei der Heidezüchtung Kramer (2 A 11) ist das Konzept der Sunset-Girls. Der Zierwert dieser Sorten ist von den leuchtenden, bunten Laubfarben und nicht von farbigen Knospen geprägt. Das zweite Konzept am Stand sind die Rasta Girls, auch bekannt als Knospenzwerge. Die Gasa Group Germany (1 D12 A) widmet sich ebenfalls intensiv dem Thema Nachhaltigkeit, von der Produktion über die Verpackung bis zu mehrfach verwendbaren, individuell bedruckbaren Retailboxen aus umweltfreundlicher Pappe. Pflanzlich passend hierzu sind beispielsweise Wildblumenzwiebeln und bienenfreundliche Helleborus in speziellen Sortierungen. Bienenschutz und City Gardening stehen bei zu Jeddeloh (7 D18) im Fokus. Perfekt vereint sind beide Ansprüche bei der neuen Mini-Blaubeerpflanze Vaccinium angustifolium BerryBux, die sich auch für den Balkonkasten eignet.

Farbe über Farbe

Trendorientierte Nelken-Konzept DiaDeur.
Trendorientierte Nelken-Konzept DiaDeur.
Foto: Selecta one

Die gesprenkelte Poinsettien SkyStar wird Selecta one (2 D21) in Essen vorstellen, ebenso das trendorientierte Nelken-Konzept DiaDeur mit den bewährten Sorten Sissy, Marie und Sophie. Weiterentwickelt wurde das Autumn Friends Konzept und Sternenhimmel-Feeling versprechen laut Anbieter die gepunkteten Petunien der Selecta SKYfamily. Auch beim Pflanzen- Lizenzbüro Plantipp (2 D19) wird es bunt. Im Trend sieht man Blattschmuckpflanzen wie die immergrüne Staude Lomandra longifolia White Sands, die aussieht wie Gras und die erste buntlaubige Sorte ihrer Art ist.

Aromatisch und Essbar

Mit neuen, essbaren Bio-Pflanzen und einer absatzfördernden Chili-Kampagne möchte Blu (1 E35) im nächsten Frühjahr begeistern, etwa mit dem mexikanischen Oregano Polimentha longiflora oder der Bitter-Orange Citrus trifoliata, der einzigen Citrusart, die deutschlandweit als winterhart gilt. Ebenfalls neu ist die Mangomelone ‘Mangomel‘ Cucumis melo. Ebenso sollen Hängerosmarin und Echter Ingwer das Blu-Bio-Sortiment bereichern.

Europa im Blick

Stark ist wie stets die Präsenz der belgischen Pflanzenerzeuger. Insgesamt 39 Unternehmen präsentieren sich auf drei Gemeinschaftsständen des VLAM (2 B25, D26, D30 / 6 C26 / 8 C42, D25, D26, D28 und D30) und repräsentieren dort die breite Palette an typisch flämischen Erzeugnissen wie Azaleen, Rhododendren, blühenden Zimmerpflanzen, flämischen Lorbeer, Chrysanthemen, Sträuchern, Jung- und Beetpflanzen sowie Baumschulerzeugnissen. Offizielles Partnerland der IPM Essen 2020 ist Frankreich. Unter dem Motto „Quality & Innovation. The French Touch!“ zeigen die Unternehmen des Landes ihre Neuheiten. Zu finden sind die französischen Blumen- und Pflanzenzüchter in der neuen Halle 6. Die französischen Baumschulen bleiben in Halle 7. Ebenfalls vertreten in Essen: französische Substratlieferanten und Pflanztopfhersteller.

28.01.2020

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