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Lukrative Gartenzwerge

Auch wenn viele Kunden Gartenzwerge und Co. furchtbar finden, funktionieren sie seit Jahrzehnten hervorragend als Mitnahmeartikel. Markt in Grün hat sich die neuesten Trends angesehen.

Die „Zwergen-Armee“ ist da. Bei Peters Blumen- und Pflanzenmarkt werden die kleinen Gartenfreunde prominent platziert. Auch der übergroße Hahn steht zum Verkauf.
Die „Zwergen-Armee“ ist da. Bei Peters Blumen- und Pflanzenmarkt werden die kleinen Gartenfreunde prominent platziert. Auch der übergroße Hahn steht zum Verkauf.
Foto: Peters

Die einen lieben sie, die anderen finden sie scheußlich. „Dazwischen gibt es nichts“, weiß Bastian Peters. Der Mitinhaber von Peters Blumen- und Pflanzenmarkt mit Filialen in Bremerhaven und Bremen gibt bunten Zwergen und Tieren den nötigen Platz und die nötige Aufmerksamkeit. Bei ihm im Laden stehen sie dutzendfach gleich in der Nähe des Eingangs. „Jeder muss hier vorbei“, sagt er und lacht. Schließlich handelt es sich bei den Figuren um reine Mitnahmeartikel. „Deswegen kommt niemand extra in den Laden.“

Die possierlichen Mitnahmeartikel kosten bei Peters zwischen 3,99 Euro und 800 Euro. Der Artikel für 800 Euro sind ein fast zwei Meter großes Huhn und der dazugehörige Hahn, die freilich die Ausnahme darstellen. Die kleinen bunten Gartenzwerge aus Kunststoff in der Einstiegspreislage bilden die Mehrheit unter den insgesamt 5.800 possierlichen Tierchen und Fantasiefiguren. Die Zielgruppe ist laut Peters zumeist weiblich. Und besonders für Kinder seien die bunten Tierchen der Hingucker. Und aus dem Hingucker werde dann nicht selten klassische Quengelware. Der Umsatz ist bei Gartenfiguren seit Jahren stabil, kein Grund also, auf sie zu verzichten. Peters Devise: „Viel verkauft viel.“

Er ordert seine „Gartenzwerg-Armee“, wenn er auf Bestelltour durch die Niederlande und Norddeutschland ist. Weihnachtsfiguren bestellt er zu Beginn des Jahres, die Frühjahrskollektion stellt er im Sommer zusammen. „Dann sind noch gute Sonderposten und Rabatte drin“, lautet eine seiner Erfahrungen mit den Großhändlern.

Neu im Sortiment ist eine neue Rubrik im Fachmagazin Markt in Grün. Jeden Monat stellt die Redaktion ein neues Produkt vor und zeigt wie Sie es im Gartencenter am PoS präsentieren. Wenn Sie noch kein Abo haben, dann testen Sie das Magazin als Mini-Abo und überzeugen Sie sich selbst.

Einer dieser Großhändler ist der Figuren-Discounter aus Stuhr bei Bremen. „Der Markt mit Gartenfiguren wächst“, weiß Bozena Ulke, Ehefrau des Inhabers. Ein Gartencenter in der Nähe habe vor einigen Jahren noch vier Quadratmeter Verkaufsfläche für Gartenzwerge und Co. zur Verfügung gestellt, jetzt tummelten sich weitaus mehr Figuren auf 14 Quadratmetern. Renner in dieser Saison sind ihrer Ansicht nach Schäfchen und Schweinchen in knallbunten Gummistiefeln. Überhaupt: Zum Frühjahr muss es bunt sein, weiß Ulke. Der Herbst werde erdiger. Dann seien Waldtiere gefragt, bevor dann im Dezember die Schneemänner, Nikoläuse und Rentiere übernähmen.

Gartenzwerge anno 2019 in den Trendfarben Knallgrün und Lila.
Gartenzwerge anno 2019 in den Trendfarben Knallgrün und Lila.
Foto: Stefan Freiwald

Übrigens sind die allermeisten Gartenfiguren aus Kunststoff. Der ist zwar nicht immer bruchsicher, aber doch wetterfest und vor allem günstig. Produziert wird meistens in China oder Polen. Auch bei der Firma Silex aus Bad Soden-Salmünster ist vieles inzwischen aus Plastik. Vor allem die Kombination aus künstlichem Gartenbrunnen in Felsenoptik mit Zwergen, Tieren oder Kinderfiguren darauf liegen im Trend, berichtet Patrick Herzog aus der Auftragsabwicklung des Unternehmens. Da darf es auch gerne etwas kitschiger zugehen. Herzog hat die Zielgruppe 40plus als Käuferschicht im Blick.

Auf Skulpturen aus Beton hat sich unterdessen die Firma Surrey-Gartenfiguren aus Solingen spezialisiert. Vorteil: Das Unternehmen gießt sie selbst in Handarbeit – besonders häufig Fantasy-Figuren. Dazu gehören Elfen, Drachen, Zwerge und Engel. Auch Gartenarchitektur lässt sich mit Beton machen. Wer also gleich der Prinzessin ein ganzes Schlossportal in den Hintergrund stellen möchte, ist hier gut aufgehoben.

Markt in Grün ist das Fachmagazin für Gartencenter-Betreiber und informiert Sie monatlich über exklusive Themen aus den Bereichen Handel, Sortiment, Veranstaltungen und Unternehmungsführung. Das Heft können Sie ganz einfach für zwei Monate testen oder Sie suche sich in unserem E-Shop das richtige Abo-Model für sich aus.

Kitsch oder Kult? Typisch deutsch? Inbegriff der Spießigkeit?

So schlecht, wie viele meinen, ist das Image des Gartenzwerges nicht. Laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2008 sind für fast sechs Millionen Deutsche die Gartenzwerge „das beste Erzeugnis aus deutschen Landen“. Rund 25 Millionen von ihnen sollten Schätzungen aus dem Jahr 2009 deutsche Gärten bevölkern. Neuere Zahlen liegen leider nicht vor.

Die ersten Gartenzwerge soll es im Zeitalter des Barock (17. Jahrhundert) an den Höfen der Könige und Fürsten gegeben haben. Im 19. Jahrhundert entstanden in Thüringen die ersten Manufakturen, die die Zwerge im großen Stil produzierten. Ende der 1960er-Jahre erreichte das Image des Gartenzwerges einen Tiefpunkt. Der Zwerg mit seiner Zipfelmütze wurde als der Inbegriff des Deutschen Michels gesehen. Im Jahr 1981 gründete sich eine „Internationale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge“, deren Anliegen die Verbreitung der „Zwergenkunde“ (scherzhaft „Nanologie“) und die Produktion historisch „korrekter“ Gartenwichtel ist. Sie hat definiert, was ein „artiger“ – also echter – Gartenzwerg ist: Er ist maximal 69 Zentimeter groß, trägt eine Zipfelmütze, einen Bart und ist männlich. Gegen Ende der 1990er-Jahre entstand die „Front zur Befreiung der Gartenzwerge“, deren Anhänger die Figuren aus Vorgärten „befreiten“ und oft in Wäldern, ihrem „natürlichen Lebensraum“, aussetzten. Klassisch mit roter Zipfelmütze, verschmitztem Lächeln, roten Wangen und Rauschebart, wie wir sie noch aus dem späten 20. Jahrhundert kennen, werden die Gartenzwerge in Gartencentern fast nicht mehr verkauft. Ihre Nachfolger sind allerlei Tiere und Fantasie-Figuren, meistens aus Kunststoff und passend zur jeweiligen Jahreszeit.

17.04.2019