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Das Freitagsinterview mit… Frank Zeiler, BGI

Der Geschäftsführer des Verbands des Deutschen Blumen- Groß- und Importhandels (BGI) e. V. nimmt im Gespräch mit Markt in Grün Stellung zu Fragen der Nachhaltigkeit und neuer Ideen für den Import von Schnittblumen.

Der Geschäftsführer des Verbands des Deutschen Blumen- Groß- und Importhandels e.V. Frank Zeiler
Der Geschäftsführer des Verbands des Deutschen Blumen- Groß- und Importhandels e.V. Frank Zeiler.
Foto: BGI

Markt in Grün: Herr Zeiler, auf dem Schnittblumentag Ende Juni haben Sie Ihre Mitglieder unter anderem mit der Frage konfrontiert, ob man den Import von Schnittblumen neu denken muss. Warum?

F. Zeiler: Wir haben unsere Mitglieder tatsächlich bewusst mit der Frage konfrontiert, inwieweit es aus ihrer Sicht nötig ist, sich über neue, exklusive Sortimente aus eigenem Direktbezug, zum Beispiel aus Schwellenländern, im Sinne eines Alleinstellungsmerkmals gegenüber Standardangebote, die heute schon am Markt verfügbar sind, abzuheben. Dabei ging es gar nicht um die Frage, ob es an irgendeiner Stelle beim Import von Schnittblumen hapert. Denn dass dies nicht der Fall ist, wurde auf dem Verbandstag in Straelen deutlich. Dementsprechend hat sich ein Teil der anwesenden Unternehmer auch überzeugt dahingehend geäußert, dass das gegenwärtige Angebot ausreichende Vielfalt bietet, auch, um immer wieder neue Akzente zu setzen. Ein anderes Lager hat sich jedoch sehr deutlich für neue Sortimenten aus eigenem Bezug ausgesprochen. Genau das wollten wir erreichen: ein klares Meinungsbild. In einer zweiten Abfrage hat sich dann gezeigt, dass der größere Teil der auf dem Schnittblumentag Anwesenden durchaus für Projekte ist, die die Möglichkeit für neue, einzigartige Sortimente bieten.

Markt in Grün: Das heißt, Sie gehen jetzt für Ihre Mitglieder in infrage kommenden Ländern auf Neuheitensuche?

F. Zeiler: Nein, so kann man sich das leider nicht vorstellen. Es geht bei unserem Vorstoß auch nicht unbedingt um komplett neue Sorten, sondern vielmehr darum, unsere Mitglieder dabei zu unterstützten, Sortimente mit einer eigenen Geschichte zu kreieren, die zum eigenen Unternehmen und dem jeweiligen Kundenkreis passen. Der Direktimport gerade von kleineren und mittleren Betrieben in den Schwellenländern kann da eine Chance sein. Doch bis die ersten Kulturen aus einer solchen Produktion tatsächlich vermarktet werden können, ist es ein langwieriger Prozess.

Markt in Grün: Wie genau muss man sich diesen in der Praxis vorstellen? Und was ist die größte Herausforderung dabei?

F. Zeiler: Der BGI ist schon lange immer wieder in Schwellenländern unterwegs. Unser Anliegen ist es dabei vor allem, in Kooperation mit anderen Organisationen die Strukturen vor Ort zu entwickeln, sei es in der Politik, Produktion oder Logistik. Denn ihr Fehlen ist in der Regel ein Hauptproblem. Gemeinsam mit unserem Partnerverband EPHEA in Äthiopien setzen wir uns zum Beispiel für den Aufbau eines Berufsbildungswerks ein, darüber hinaus geht es um den Ausbau des Dienstleistungsangebotes sowie die Netzwerk- und Lobbyarbeit vor Ort zur Erschließung neuer Märkte für Produzenten. In eine ähnliche Richtung geht unsere Kooperation mit dem IPD. Das Import Promotion Desk, für das die Abkürzung steht, ist ein vom Entwicklungsministerium gefördertes Projekt, das nachhaltige Strukturen in ausgewählten Partnerländern fördert. Gemeinsam mit dem IPD besuchen Mitglieder des BGI Messen vor Ort, laden Produzenten zu Gesprächen ein oder besichtigen Betriebe mit dem Ziel, langfristige Geschäftsbeziehungen aufzubauen, eben um neue Sortiment mit einem ganz eigenen USP zu entwickeln, die dem Zeitgeist vielleicht auch ein bisschen voraus sind.

Markt in Grün: Eine Frage zum Schluss. Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit bei Ihren Bemühungen?  

F. Zeiler: Für den BGI ist das wie für die gesamte Branche ein wichtiges Thema, nicht erst seit gestern. Anfangs standen die Menschenrechte im Mittelpunkt, später auch Umwelt- und jetzt, ganz aktuell, Klimaaspekte. Daher sind wir auch ein Gründungsmitglied FSI, der Floriculture Sustainability Initiative, einem der Vorreiter für Nachhaltigkeit in der grünen Branche. FSI hat unter anderem einen Benchmark-Vergleich gängiger Zertifizierungen erstellt, der unseren Mitgliedsbetrieben eine gute Orientierung bietet. FSI hat sich auf die Fahnen geschrieben, das bis 2020 neunzig Prozent der im Handel angebotenen Schnittblumen aus nachhaltiger Produktion stammen. Auf unserem Verbandstag am 13. und 14. September in Köln wird das Thema Nachhaltigkeit ebenfalls eine zentrale Rolle spielen, wir werden diskutieren welche Konsequenzen das Gesellschaftsthema Klima- und Umweltschutz auf den Markt hat, welche Rolle die Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und Schwellenländern für die Positionierung von importierenden Unternehmen haben kann und wie Kooperationen in der Wertschöpfungskette prägend in das Marktgeschehen eingreifen können. Denn wir müssen uns alle fragen, welchen Preis zahlt jedes Glied der Produktions- und Absatzkette für das allgemeine Preisdumping und wie Produzenten und Handel langfristig überleben können.

12.07.2019