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Essbare Pflanzen für Zuhause

Hier eine Himbeere gepflückt, da eine Mini-Tomate verknuspert – essbare Pflanzen und Kräuter liegen im Trend und möchten noch im Garten oder auf dem Balkon verzehrt werden. Markt in Grün zeigt was es so gibt.

Immer mehr Verbraucher finden Gefallen daran, im eigenen Garten Essbares wie Kräuter heranzuziehen.
Immer mehr Verbraucher finden Gefallen daran, im eigenen Garten Essbares wie Kräuter heranzuziehen.
Foto: Landgard

Dave Brazelton ist ein Tüftler. Auf seiner Fall Creek Farm in Lowell im US-Bundesstaat Oregon züchtet er seit 40 Jahren Beeren. Mit neuen Züchtungen ist er erst zufrieden, wenn sie allen Ansprüchen der aktuellen Trends genügen: So sollen seine Heidelbeer-Pflanzen klein und kompakt sein, damit sie auf Balkon und Dachterrasse passen. Die Blüten müssen hübsch aussehen, das Laub soll sich bunt färben. Süß müssen die Beeren schmecken, die Pflanzen müssen reiche Ernte haben und möglichst bis in den September tragen.

„Wir haben die Lizenz der Marke BrazelBerry erworben und dürfen sie europaweit als einzige Baumschule vermarkten“, sagt Ivonne Solbrig, Marketingleiterin der Jeddeloh Pflanzenhandels GmbH. Mit den Blau- und Brombeerenzüchtungen von Dave Brazelton, die das ostfriesische Unternehmen kultiviert, spricht es eine Käuferschicht an, die zunehmend wächst: die Lohas. Diese Abkürzung steht für das Englische „Lifestyle of Health and Substainability“. Es sind Menschen, die auf einen gesunden Lebensstil achten und einen Sinn für Nachhaltigkeit haben. Kunden, die sich auf die alte Tradition besinnen, Obst, Gemüse und Kräuter selbst anzubauen.

Neu im Sortiment ist eine neue Rubrik im Fachmagazin Markt in Grün. Jeden Monat stellt die Redaktion ein neues Produkt vor und zeigt wie Sie es im Gartencenter am PoS präsentieren. Wenn Sie noch kein Abo haben, dann testen Sie das Magazin als Mini-Abo und überzeugen Sie sich selbst.

Frische Beeren für das Müsli

Schnell wachsendes Naschobst, das sich in Beet und Kübel auch noch dekorativ macht, ist bei Kunden beliebt.
Schnell wachsendes Naschobst, das sich in Beet und Kübel auch noch dekorativ macht, ist bei Kunden beliebt.
Foto: zu Jeddeloh Pflanzen

Dabei knüpfen sie nicht an ihre Großelterngeneration an, die nach dem Zweiten Weltkrieg jedes noch so kleine Stückchen Land für die Selbstversorgung nutzte und sogar den Berliner Tiergarten zum Kartoffelacker machte. „Die Lohas möchten eine Selbstversorgung light“, sagt Solbrig. „Es geht um das gute Gefühl, ein paar selbstgeerntete Beeren im morgendlichen Müsli zu genießen oder Kindern zu vermitteln, wie wertvoll eine gesunde, nachhaltige Ernährung ist.“

„Die Menschen mögen das Bewusste. Sie haben ein Erfolgserlebnis, wenn sie selbst Erdbeeren ernten“, sagt auch Anja Grabhorn von Harries Plantdesign. Die Agentur – ebenfalls aus Ostfriesland – kümmert sich unter anderem um das Marketing der Baumschule Heinje, die mit der Baumschule BCM die Lucky Berry Blaubeere und die Lucky Berry Erdbeere entwickelte. Den Trend zum Urban Gardening bezog Grabhorn in ihre Lucky Berry-Konsumentenkampagne ein: „Auch in den Ballungsräumen wird der Verbraucherwunsch nach eigenem Obst und Gemüse immer größer.“ Sowohl Blau- als auch Erdbeere passen Grabhorn zufolge in den kleinsten Naschgarten und könnten mit Stäben zu Pyramiden aufgebaut werden. Die Blaubeere sei besonders pflegeleicht, da sie nicht geschnitten oder hochgebunden werden müsse. Beide Beeren hätten eine lange Erntezeit von vier Monaten.

Beet- und Balkongemüse

Zentrales Element der Kampagne ist ein kleiner blonder Junge in Jeans und mit Schiebermütze. Versonnen sitzt er auf dem Stamm eines abgesägten Baumstamms und nascht Erdbeeren – ein Storytelling, an dem junge Verbraucherfamilien nicht vorbeigehen sollen. Für den POS bietet die Agentur blaue und rote Pflanzentöpfe mit einem verspielt wirkenden Logo an. Die detaillierte Nährwerttabelle bildet einen Kontrast zu den Holzkisten, die der Präsentation den Charakter eines Marktstandes geben.

Erdbeere, Blaubeere, Himbeere, Johannisbeere, Brombeere – die Obstgehölze machen einen großen Teil des Naschobstes aus.

Kompakte Gemüsepflanzen

Doch es gibt mehr. Die Kunden fragen auch nach kompakten Gemüsepflanzen. Große und kleine Tomaten in den Farben Rot, Gelb und Schwarz, runde und spitze Paprika in Rot, Gelb und Grün sowie Gurken, Zuckererbsen und Mais können noch auf der Terrasse geerntet und zu einem frischen Salat gemixt werden.

Die Sperli GmbH mit Sitz in Everswinkel – 1788 gegründet und eines der ältesten Unternehmen der deutschen Saatgutbranche – bietet milden Blockpaprika und scharfen Zwergchili für den Balkon an.

Auch Rübengemüse ist als Jungpflanze zu haben. „Möhren- und Pastinakensaatgut im richtigen Abstand auszusäen, fällt mitunter selbst Profis schwer“, sagt Marketingleiterin Birte Rath. „Eine mühselige Arbeit, die man sich mit den Jungpflanzen sparen kann. Außerdem kommen die Kunden durch die vorgezogene Kultur viel schneller zur Ernte.“

Kräuter zum Grillen

Die Welt der Kräuter kommt noch hinzu. Sie passen sogar auf die kleinste Küchenfensterbank. „Hauptkräuter sind nach wie vor konventionell oder biologisch angebaute Petersilie, Basilikum und Schnittlauch in verschiedenen Topfgrößen“, sagt Alexander Fischer, im Category Management Pflanze der Sagaflor AG verantwortlich für Kräuter und Gemüsepflanzen. „Sie werden durch die italienischen Klassiker ergänzt: Rosmarin, Thymian, Oregano und Majoran. Verschiedene Minzen kommen hinzu.“

Markt in Grün März Ausgabe 2019
Das Markt in Grün Grillheft können Sie sich hier runterladen und auf Ihr Endgerät oder Desktop speichern.

Mit Sitz in Straelen-Herongen am Niederrhein profitiert er von der unmittelbaren Nähe zu den Kräuterproduzenten. Seine Lieferanten stellen küchenfertige Kräuter-Trios bereits im Topf zusammen. „Für den Asia-Wok schlagen sie den Konsumenten Minze, Currykraut und Pilzkraut vor. Das Barbecue-Trio für Fleischgerichte beinhaltet Oregano, Rosmarin und Salbei“, sagt Fischer. „Wer lieber Fisch grillt, findet einen Mix aus Estragon, Basilikum und Goldoregano.“ Auch für Cocktails und Tees biete man fertige Mischungen an. Fischer empfiehlt, die Barbecue-Kräuter-Trios am POS in der Grillabteilung zu platzieren – ebenso wie die Steaktomaten.

Großes Potenzial

Auch grundsätzlich sieht etwa Landgard in der Produktgruppe Kräuter das größte Potenzial bei essbare Blumen und Pflanzen. „Basis dieser Entwicklung sind langanhaltende Verbraucher-Trends wie Grillen mit Gemüse und Kräutern, Outdoor-Küche, mediterrane Ernährung, gesunde beziehungsweise biologische Lebensmittel und auch der Anbau von Kräutern im eigenen Garten oder auf dem Balkon“, sagt Dirk Bader, Geschäftsführer der Landgard Blumen & Pflanzen GmbH und Generalbevollmächtigter Blumen & Pflanzen der Landgard eG. Das Unternehmen reagierte mit dem Verkaufskonzept „Grill Gardening“ und der Kräuter-Eigenmarke „Eataliano“ sowie deren Bio-Version „Eataliano biologico“, die seit Herbst 2018 erhältlich ist. Obst, Gemüse, Kräuter – der Trend zu Naschpflanzen hat gerade erst begonnen. Die Kunden wollen pflanzen, ernten und vor allem genießen – am liebsten sofort.

Markt in Grün ist das Fachmagazin für Gartencenter-Betreiber und informiert Sie monatlich über exklusive Themen aus den Bereichen Handel, Sortiment, Veranstaltungen und Unternehmungsführung. Das Heft können Sie ganz einfach für zwei Monate testen oder Sie suche sich in unserem E-Shop das richtige Abo-Model für sich aus.

08.05.2019

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