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Deutsche Umwelthilfe: Tendenz zu Einweg sorgt für Plastikmüllberge

Der Trend zur Nachhaltigkeit ist auch in der grünen Branche angekommen. Dass allerdings noch erhebliches Verbesserungspotenziel in Sachen Plastikvermeidung besteht, zeigt eine Umfrage der Deutschen Umwelthilfe bei mehr als 100 Pflanzenhändlern, Supermarktketten sowie Bau- und Gartenfachmärkten.

Plastikmüll
Der Pflanzenhandel setzt zum Großteil immer noch auf Einweg-Lösungen.
Foto: DSD

Die Hauptursache für die schlechte Bilanz der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist der weit verbreitete Einsatz von Einweg-Plastikprodukten, vor allem Einwegtrays, in denen Blumen und Pflanzen auf dem Weg vom Erzeuger zum Handel transportiert werden. Der Anteil der Einmal-Produkte liegt bei etwa 95 Prozent. Pro Jahr fallen dadurch allein in Deutschland rund 150 Millionen dieser Transportverpackungen als Abfall an, so das Ergebnis der Umfrage der DUH.

Mehrwegverpackungen sind zwar im Kommen, führen im Pflanzenhandel aber bisher noch ein Nischendasein. Die DUH fordert daher einen Wandel in der Branche zu wiederverwendbaren Transportverpackungen. Dazu brauche es eine verpflichtende Mehrwegquote, eine steuerliche Besserstellung für Mehrwegtrays und eine Abgabe auf Einweg von mindestens 20 Cent, heißt es.

"Einweg-Plastikmüll ist längst nicht mehr gesellschaftsfähig. Dennoch setzt die Pflanzenbranche trotz vorhandener Mehrweg-Alternativen massenhaft auf Wegwerfverpackungen", kritisiert die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. "Gerade für den kurzen Transport vom Produzenten zum Händler sind Einwegverpackungen unnötig. Die Transportwege wiederholen sich und sind deshalb perfekt geeignet für Mehrweglösungen. Die Pflanzenbranche kann sich nicht länger wegducken und muss Abfallvermeidung und Wiederverwendung endlich ernst nehmen."

Große Player sind Plastiksünder

Vor allem Lebensmitteleinzelhändler und Baumärkte setzen fast vollständig auf Einweg-Transportverpackungen aus Kunststoff. "Allein Lidl ist jährlich für 7,5 Millionen Plastik-Einwegtrays verantwortlich. Beim Baumarkt toom fällt mit jährlich 8 Millionen Einwegtrays noch mehr Plastikmüll an", erklärt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer. Das sei nicht nachvollziehbar, denn es gebe praktikable Mehrweg-Transportverpackungen. "Bei Produktverpackungen in den Verkaufsregalen existiert inzwischen ein relativ großes Bewusstsein für unnötiges Plastik, aber beim nicht ganz so offensichtlichen Transport von Pflanzen wird gesündigt. Das passt nicht zusammen."

Der aktuell größte Plastiksünder in der Pflanzenbranche ist laut DUH Landgard mit 70 Millionen Einweg-Plastiktrays pro Jahr. Allerdings bemüht sich Landgard aktuell, mit Rewe und toom erste Mehrwegpaletten in die Anwendung zu bringen. "Jedoch steckt diese Initiative noch in den Anfängen und es muss sich erst zeigen, wie ernst es der bundesweit größte Pflanzenerzeuger mit Abfallvermeidung und Ressourcenschutz meint", so die Einschätzung der DUH. Darüber hinaus gibt es bei Landgard konkrete Bemühungen , nachhaltiger zu werden, auch bei der Verpackung.

Mit gutem Beispiel voran

Lediglich einige Pflanzengroßmärkte sowie kleinere Erzeuger und -händler setzen in größerem Umfang Mehrwegpaletten ein. "Vom Grundsatz her wäre ein branchenweites Mehrwegsystem die beste Lösung, das unabhängig vom Lieferanten ist und von allen Marktteilnehmern gleichermaßen genutzt werden kann", sagt DUH-Experte Thomas Fischer. "Bei wiederverwendbaren Transportboxen für Schnittblumen ist dies schon seit vielen Jahren der Fall. Der Austausch von herkömmlichen Einwegtrays durch Einwegpaletten aus anderen Materialien, wie Biokunststoff oder Recyclingmaterial, ist der falsche Weg, denn es fällt dadurch kein Gramm weniger Abfall an."

Allein aus den Niederlanden werden beim Transport von Pflanzen jede Woche Einweg-Plastikpaletten mit einem Gesamtgewicht von 200.000 Kilogramm nach Deutschland gefahren. Ein Umdenken des Handels in Deutschland würde auch bei den Produzenten in den Niederlanden zu einem verstärkten Einsatz von Mehrwegverpackungen führen, so die Einschätzung der DUH.

15.06.2020