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Das Freitagsinterview mit… Martina Gerhards, Dümmen Orange

Die neue Marketingchefin am Standort Rheinberg über neue Pflanzensorten, deren langen Weg in den Handel und den alles bestimmenden Faktor Nachhaltigkeit.

Martina Gerhards
Martina Gerhards
Foto: privat

Markt in Grün: Frau Gerhards, Sie haben im März Ihre Funktion als Chefin des deutschen Marketing-Teams bei Dümmen Orange angetreten, waren zuvor aber in ganz anderen Branchen beschäftigt, etwa in der Elektronik- oder Werkzeugindustrie. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?

M. Gerhards: Das Interessante an einer neuen Tätigkeit oder einer neuen Branche ist doch immer die Herausforderung, bis dahin Gelerntes und Erprobtes in einem neuen Zusammenhang anzuwenden und auszuprobieren. Das war auch bei mir so. Ich habe für Unternehmen wie Toshiba oder Positec gearbeitet. Die haben natürlich nichts mit Gartenbau zu tun. Aber die Konsumenten bleiben dieselben. Und damit auch die Systematik im Retail Marketing. Genau dieses steht für mich an erster Stelle. Ich betreibe es seit vielen Jahren und bin, was die Branche anbelangt, nicht festgelegt. Genau dafür hat man mich auch hierher geholt.

Markt in Grün: Dümmen Orange hat also Sie angesprochen, eine versierte Marketingfrau. Lässt sich daraus die Botschaft ableiten, dass das Marketing in Ihrem Haus künftig stärker im Fokus steht?

M. Gerhards: Dümmen Orange ist auf mich zugekommen, ja. Man hat tatsächlich jemanden gesucht, der Erfahrung aus ganz verschiedenen Branchen mitbringt. So weit gehen, dass sich damit der Stellenwert des Marketings hier im Haus verändert hat, würde ich aber nicht. Es ging wohl vielmehr um den Gedanken, dass ein entsprechender Background neue Ideen ins Unternehmen trägt. Und das ist gerade im Marketing immer gut. Auch vor meiner Zeit hat Dümmen Orange der Vermarktung einen hohen Stellenwert eingeräumt, was sich ja auch an den vielfältigen Programmen, die wir für unsere Kunden auflegen, ablesen lässt.

Markt in Grün: Ihre Kunden sind im ersten Schritt ja eigentlich die Gärtner, die Ihre Züchtungen kultivieren. Wie begeistern Sie diese für Ihre Produkte?

M. Gerhards: Indem wir Produktversprechen und Konzepte anbieten, von denen wir glauben, dass sie Zukunft haben und am Markt gut ankommen. Das ist unsere Spezialität als einem der weltweit führenden Züchter. Für meinen Standort hier in Rheinberg, wo Beet- und Balkonpflanzen, Topfpflanzen, Poinsettien und Stauden im Vordergrund stehen, macht sich das zum Beispiel an den aktuellen Neuheiten und POS-Lösungen fest, die wir kommende Woche auf den Flowertrials vorstellen werden.

Markt in Grün: Die Zeitspanne von der ersten Idee für eine neue Sorte bis zum Ladentisch ist lang und dauert einige Jahre. Birgt das nicht ein gewisses Risiko, auch mal am Markt vorbei zu entwickeln?

M. Gerhards: Natürlich kann man das nie ganz ausschließen. Ich bin aber zuversichtlich, dass es für uns nicht eintritt. Trends und Geschmäcker entstehen ja nicht über Nacht, sondern wachsen ebenfalls über Jahre, angefangen bei der Kleidung über Einrichtungs- und Farbtrends bis eben hin zu Pflanzentrends. Bei Endverbraucherthemen ist es daher Gang und Gäbe, ein paar Jahre vorauszuplanen und auch vertretbar. Man muss den Markt einfach im Auge behalten. Und auch unsere Marktbegleiter haben ja dasselbe Problem, wenn man es so nennen möchte.

Markt in Grün: Wie genau lösen Sie Ihr Produktversprechen ein? Worauf können sich Ihre Kunden aus dem Gartenbau verlassen?

M. Gerhards: Ein wichtiges Stichwort ist Qualität, in diesem Punkt wollen wir uns ganz sicher sein. Wenn Dümmen Orange eine Sorte entwickelt, durchläuft diese bis zur Produktreife daher eine ganz Reihe von Tests. Zunächst muss sie sich in der frühen Phase im Haus durchsetzen. Dann erst wird sie unterschiedlichen Zielgruppen vorgestellt, die sie bewerten. Fällt das Urteil positiv aus, werden die Stecklinge den Gartenbaubetrieben in Lizenz angeboten, die diese dann bis zur endgültigen Marktreife kultivieren.

Markt in Grün: Sie haben eben schon die Flowertrials angesprochen, wo Sie wie andere Züchter auch ihre Neuheiten vorstellen. Wenn man als Endverbraucher auf den Handel schaut, hat man jedoch gar nicht immer den Eindruck, dass sich am Markt so viel tut. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

M. Gerhards: Ich würde sagen, es ist schlicht die Masse. Wenn ich aus meinem Fenster auf unser Versuchsfeld schaue, sehe ich unzählige tolle Pflanzen. Natürlich kann ein Gartencenter so viele Sorten gar nicht anbieten, sondern nur einen Bruchteil davon. Das ist schon eine reine Platzfrage.

Markt in Grün: Welche Dümmen-Neuheit könnten Gartenfreunde denn in diesem Sommer im Handel vorfinden?

M. Gerhards: Eins unserer diesjährigen Highlights ist Freaky Leaves, ein neues Konzept, um im Einzelhandel unsere Coleus-Kollektion zu bewerben. Hier zeigen wir Neuzüchtungen mit neuen Farben und Blattformen.  Das passt zum urbanen Dschungeltrend, der gegenwärtig ja besonders angesagt ist.

Markt in Grün: Bleiben wir beim Stichwort „urban“. Ist City-Gardening für Sie ein Thema, dass Sie ganz gezielt mit neuen Produkten bedienen?

M. Gerhards: In jedem Fall haben wir das Thema im Blick und entwickeln Konzepte für die junge Generation, die es unkompliziert liebt. Dieser „just easy“-Trend mit unkomplizierten Pflanzen für den Wohnraum mit urbanem Touch trifft den Lifestyle der Zielgruppe gegenwärtig sehr gut. Auch unsere Confetti Garden-Lösungen mit aufeinander abgestimmten Pflanzkombinationen, die in einem Topf kultiviert werden, gehen in diese Richtung.

Markt in Grün: Eine weitere Schlagzeile dieser Tage ist Nachhaltigkeit. Auch Sie bedienen den Trend, etwa mit der Basewell-Technologie oder der GreenGuard-Richtlinie. Wie wichtig ist das Thema insgesamt für Dümmen Orange?

M. Gerhards: Nachhaltigkeit als solche ist für uns natürlich ein wichtiger Aspekt. Und Technologien wie Basewell oder Standards wie GreenGuard, bei dem es um die frühzeitige Reduzierung von chemischem Pflanzenschutz geht, spielen dabei eine wesentliche Rolle. Wir versuchen diesen Ansatz daher auch auf bereits vorhandene Sorten zu übertragen und nicht nur auf neue.

Markt in Grün: Sie beschränken sich ja nicht nur auf die Pflanzen, sondern zeigen zu den Flowertrials auch Einzelhandelskonzepte. Warum ist das so wichtig?

M. Gerhards: Ich hatte ja schon unser Produktversprechen erwähnt. Dazu gehört für uns auch, dass wir Tipps für die Vermarktung geben. In diesem Jahr setzen wir für unseren Kunden aus dem Einzelhandel neben Freaky Leaves zum Beispiel unsere Chrysanthemen-Marke Vitamums in Szene. Auch für andere Marken bieten wir POS-Material. Mehr wird vorerst nicht verraten.

07.06.2019