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Industrie: Noch überwiegt Hoffnung

Wie positionieren sich Lieferanten von motorisierten Gartengeräten vor dem Hintergrund der Corona-Krise? Unser Schwestertitel Motorist hat nachgefragt.

Logistik
Noch gibt es keinen Lieferverzug, versichern wichtige Lieferanten
Foto: Pixabay

Die aktuelle Situation vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens wirkt sich auch auf das Tagesgeschäft von Handel und Industrie aus. Während etwa Gartencenter und Baumärkte unter gewissen Auflagen teilweise weiter öffnen dürfen, ist Motoristen der Verkauf im Ladengeschäft untersagt.

Unser Schwestertitel Motorist wollte wissen, wie sich die Corona-Krise bereits heute auswirkt, ob die Lieferketten sichergestellt sind und welche Anpassungen die Industrie gegebenenfalls im Vorgehen mit dem Handel trifft. Sprich: wie greift man diesem unter die Arme? Als erste Kandidaten haben sich dazu EGO, Honda und Stihl geäußert.

Verlängerte Valuta

Das Feedback von Stihl: Man habe alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die Marktversorgung sicherzustellen, heißt es aus Waiblingen. Allerdings seien der weitere Verlauf und die Ausbreitung des Corona-Virus sowie die möglichen Auswirkungen der Infektionswelle nicht vorhersehbar.
„Wir beobachten die Entwicklung genau und werden gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergreifen, um die Marktbedarfe im gewohnten Umfang bedienen zu können. Zusätzlich haben wir entschieden, unsere laufenden Aktionen zur Bevorratung des Fachhandels bis Mitte April mit langen Valuta zu verlängern. Damit möchten wir dem Fachhandel die Möglichkeit geben, die regionale Verfügbarkeit des Stihl Sortiments zu gewährleisten."

Keine verlängerten Zahlungsziele

Genau von solchen Maßnahmen hält man bei EGO wiederum wenig. "Manche Wettbewerber bieten diese Option, dass der Händler sich nochmals das Lager füllen kann mit verlängerten Zahlungszielen, um potentielle Lieferengpässe zu überbrücken. Davon halten wir wenig, da nach zwei trockenen Jahren die Bestände im Handel oftmals noch beträchtlich sind und die Krise es keinem Händler erlaubt, mögliche Absätze geschweige denn auch sonstige Kostenrisiken sicher zu kalkulieren“, argumentiert Axel Stemmer, Vertriebsleiter EGO Europe GmbH. Solche Aktionen stellten aus Unternehmenssicht eher eine weitere Belastung und Risikoerhöhung des Händlers dar.
Man selbst konzentriere sich daher prioritär darauf, sämtliche Waren weiterhin zu der Zeit und zu der Menge zur Verfügung zu stellen, wie sie der Handel nach entsprechenden gesicherten Abverkäufen benötigt. Darüber hinaus will man sicherstellen, dass Händler für ihre Anliegen in Bezug auf Aufträge, etwaige technische Fragen oder Servicethemen auch weiterhin ihre Ansprechpartner bei EGO jederzeit erreichen können.

Dynamisches Marktumfeld

Stemmer: „Diese Verlässlichkeit ist unserer Meinung nach die beste Basis, damit der Händler die sich ihm bietenden Chancen in einem so dynamischen Marktumfeld so risiko- und belastungsfrei wie möglich ergreifen kann.“ Die Läger von EGO seien gut gefüllt. Auch bei den letzten Anlieferungen habe es nur geringe Verzögerungen gegeben. Solange die aktuellen Richtlinien und Verordnungen es den Lagerdienstleistern, Frachtunternehmen und Händlern erlaubten zu arbeiten, solange sollte es auch zu keinen Ausfällen oder anderen Probleme kommen, zeigt man sich zuversichtlich. Selbst für einen Quarantäne-Fall seien EGO und der Lagerdienstleister gut gerüstet. Nicht von der Hand weisen will Stemmer jedoch die allgemeine Verunsicherung: „Manche Export-Kunden mussten ihre Aktivitäten vollständig schließen, andere arbeiten auf weitaus geringerem Niveau, wiederum andere brummen. Wie groß die Auswirkungen sind, werden wir aber erst nach der Krise erfassen können."

Hilfe in der Schieflage

Klaus Meurer, Vertriebsleiter der Honda Deutschland Niederlassung, verzeichnet in einigen Produktbereichen sogar eine verstärkte Nachfrage: „Die Gartengeräte Saison 2020 ist wesentlich besser gestartet als die der zwei letzten trockenen Jahre. Starke und intensive Regenperioden und sonniges, warmes Wetter im März waren Garanten für diese Entwicklung. Durch die Bedrohung mit Covid-19 wurden Urlaube und Reisen storniert. Viele Menschen bleiben zu Hause und investieren mehr in Haus und Garten. Zusätzlich konnten wir in den letzten drei Wochen ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis von vielen Haushalten feststellen. Der Verkauf von Honda Stromerzeugern stieg um ein vielfaches an und die geplanten Stückzahlen für Deutschland waren durch unsere Händler in wenigen Tagen abverkauft. Nur durch die Unterstützung unserer Europazentrale, die uns zusätzliche Kontingente zur Verfügung gestellt hat, konnte der hohe Bestellvorlauf bis heute bedient werden. So sind wir durch entsprechende Gegenmaßnahmen beim Gartenfrühbezug, auch bei Stromerzeugern und Wasserpumpen, immer lieferfähig geblieben und unsere Vertriebspartner konnten Ihre Kunden zufriedenstellen.“

Rückgänge befürchtet

Dennoch rechnet man auch bei Honda mit Rückgängen im Abverkauf durch die notwendig gewordene Schließungen von Geschäften und den Apell, zuhause zu bleiben. Den Kontakt zu den Vertriebspartnern hält man - wie vielerorts angeordnet - aus dem Home Office aufrecht. „Bei Schieflagen versuchen wir als Hersteller zu helfen, damit keiner unserer Händler alleine im Regen steht“, verspricht Meurer und hofft auf baldige Entspannung der Situation, um gemeinsam mit den Fachhändlern und zur Zeit angehaltenen Marketingaktivitäten verstärkt durchstarten zu können. Ob die bis dahin verlorenen Umsätze 2020 zu kompensieren sein werden, sei schwer zu prognostizieren und abhängig von der Dauer der Einschränkungen. „Wünschen“, so Meurer, „würden wir es uns. Für alle Marktteilnehmer.“

26.03.2020