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BGI: Nachbesserungen bei Corona-Maßnahmen nötig

Der Verband des Deutschen Blumen- Groß- und Importhandels fordert, die Wertschöpfungskette bundesweit zu stabilisieren. Zudem sollten Hilfsangebote unbürokratisch zugänglich gemacht und Hürden bei Saisonarbeitskräften überwunden werden.

BGI Präsident Norbert Engler
BGI Präsident Norbert Engler
Foto: BGI

„Alle Betriebe der grünen Branche stehen vor einer ungeahnten Herausforderung, die die gesamte Lieferkette betrifft. Eine Einschätzung der Höhe des wirtschaftlichen Schadens lässt sich wohl erst am Ende der sonst umsatzstärksten Monate treffen. Er wird je nach Bundesland und Absatzkanal sehr stark differieren. Ein schlechtes Frühjahrsgeschäft lässt sich im Jahresverlauf aber nirgendwo ausgleichen“, stellt BGI Präsident Norbert Engler fest.

Dabei kämpften die Großhändler mit den unterschiedlichen Regeln in den einzelnen Bundesländern. In NRW hätte sich gezeigt, dass im Blumenverkauf über alle Absatzwege die Sicherheitsmaßnahmen sehr wohl einzuhalten sind. In anderen Bundesländern dürfen Blumen zwar im LEH in Selbstbedienung, aber zum Beispiel nicht im Fachhandel oder auf dem Wochenmarkt verkauft werden. Das führe laut BGI zu einer gravierenden Wettbewerbsverzerrung auf Kosten der kleinen und mittleren Einzelhändler und dem damit verbundenen Großhandel. Englers Meinung nach sei es wichtig, im Rahmen der Möglichkeiten und unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften, die Absatzwege bundesweit zu öffnen und die funktionierenden Lieferketten aufrechtzuerhalten.

Lieferketten aus Exportländern stabilisieren

Engler sieht aber noch weitere Handlungsfelder. Für Schnittblumen-Importeure gab es in den letzten Wochen Probleme bei Frachtkapazitäten aus Übersee. „Über lange Jahre wurden Lieferketten aufgebaut und in den Erzeugerländern eine Erwerbsgrundlage für viele Arbeiter geschaffen. Wenn es hier an Absatz fehlt, werden diese empfindlich getroffen, da dort kein soziales Netz die Strukturen aufrechterhalten kann." Die aktuell niedrigen Preise und fehlende Absatzmöglichkeiten schafften enorme Probleme. Hinzu komme, dass einige Abnehmer ihre Zahlungsziele erhöhen oder Preise nachverhandeln wollen. Der BGI fordert daher Solidarität innerhalb der Wertschöpfungskette.

Unbürokratisches, angemessenes Handeln

Hilfsangebote des Bundes könnten nach Aussage des BGI einen kurzen Zeitraum überbrücken, sofern die Gelder schnell und unbürokratisch fließen. Kredite könnten das Problem jedoch nur auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, wenn nicht grundsätzlich dafür gesorgt sei, dass für Produktion und Handel Absatzmöglichkeiten bestehen. „Wir haben auch zunehmend Rückmeldungen aus unseren Mitgliedsbetrieben, dass die Hausbanken die Bearbeitung der KfW-Kredite ohne Begründung ablehnen, obwohl der Gesetzgeber die Verfahren deutlich vereinfacht hat“, berichtet Engler. Darüber hinaus sieht der BGI Probleme im Zusammenhang mit Saisonarbeitskräften aus Osteuropa. Auch dürfe durch eine Verschärfung der Grenzkontrollen der Warenfluss nicht beeinträchtigt werden. „In NRW sind wir über die Entscheidung von Ministerpräsident Laschet sehr froh, dass die Grenzen zu den für uns so wichtigen Niederlanden weiterhin offen sind“, betont der BGI Präsident.

08.04.2020