zurück

Gärtnern wie die Mönche

Vom 27. April bis zum 5. Mai beging die Klostergärtnerei Maria Laach ihr 60-jähriges ­Bestehen als Gartencenter. Markt in Grün hat sich das Kloster und das Gartencenter genauer angeschaut.

Seit 60 Jahren verkauft die Klostergärtnerei Maria Laach ihre Produkte im eigenen Gartencenter.
Seit 60 Jahren verkauft die Klostergärtnerei Maria Laach ihre Produkte im eigenen Gartencenter.
Foto: Schonschek

Den Anfang machte ein Mauerdurchbruch: Am 1. Mai 1959 beschloss der Konvent der im Kloster Maria Laach ansässigen Benediktiner, seine Klostergärtnerei auf diesem Weg einem weltlichen Publikum zugänglich zu machen. Bis dato hatten die Mönche, die in der Anlage bereits zu diesem Zeitpunkt circa 10.000 Begonien, 5.000 Primeln, 3.500 Hortensien, 3.000 Chrysanthemen und 2.500 Pelargonien jährlich unter Glas heranzogen, ihre Ernte zwar auch verkauft. Dies geschah jedoch maßgeblich über eine Art Fensterladen in der Klostermauer. Da sich die Gärtnerei selbst hinter dieser und damit im Klausurbereich befand, war ihr Betreten untersagt. Das ist heute ganz anders.

Auf einer Brutto-Verkaufsfläche von gut 2.700 Quadratmetern, aufgeteilt in ein Kalthaus (720 Quadratmeter), ein Außencenter (1.600 Quadratmeter), ein Tropenhaus sowie einen Keramikladen von je 130 Quadratmetern und ein erstes Gewächshaus von 144 Quadratmetern, finden Kunden ein abgestimmtes Sortiment. Zu den Spezialitäten aus Maria Laach zählt außerdem Floristik für besondere Anlässe.

Doch noch etwas ganz anderes macht im wahrsten Sinne den ganz besonderen Geist der Einkaufsstätte aus. Denn das 13-köpfige Team, darunter drei Teilzeitkräfte, zwei Aushilfen und eine Floristen-Azubi, kümmert sich neben dem Verkauf und der Kultivierung eigener Pflanzen auch um den Blumenschmuck für das angrenzende Kloster, das Seehotel sowie die touristische Infohalle, stellt Kirchenschmuck für die Basilika zu den Hochfesten bereit und pflegt die Kloster- und Hotelanlage sowie die beiden zugehörigen Friedhöfe.

Die ganze Ausgabe und ausgewählte Artikel von Markt in Grün können Sie über den RM-Handelsmedien-Select Shop erwerben. Darüber hinaus finden Sie auch die Ausgabe unserer Schwestermagazine kaufen.

Besonderer Geist

Wie sein Vorgänger und klösterlicher Gartencenter-Gründer Bruder Hilarius Franz Wittmers O.S.B., der im Alter von 14 Jahren mit der Ausbildung in einer Orchideengärtnerei begann und 1959 den Anstoß für die Öffnung gab sowie die Geschicke der Klostergärtnerei Maria Laach von 1969 bis ins Jahr 2004 leitete, fühlt sich sein Nachfolger und einstiger Lehrling Reinhard Schmitt, der den Betrieb seither führt, der besonderen Weihe des Ortes verpflichtet: „Wichtig ist uns, zu vermitteln, dass eine Klostergärtnerei auch ‚im Geiste‘ etwas anderes ist.“ Zwar sei man Handelsbetrieb. Doch die Wurzeln und Werte der klösterlichen Gemeinschaft würden im Alltag mitschwingen. Schon das Ambiente empfindet die Mannschaft der Klostergärtnerei als etwas Besonderes. Die Außenfläche des Gartencenters schmiegt sich an die ehrwürdige Basilika Maria Laach, deren Gründung immerhin auf das Jahr 1093 zurückgeht. Auch die Anfänge der Klostergärtnerei liegen weit zurück. Bereits Anfang der 1870er-Jahre hatten die Jesuiten im fruchtbaren Laacher Seetal viel angepflanzt, ein Teil der alten Bäume im Kloster stammt noch aus dieser Zeit. Als das Kloster im Jahr 1892 durch Benediktinermönche wiederbelebt wurde, blühte neben der Landwirtschaft auch der Obst- und Gartenbau auf. Heute betreibt man auf einer Fläche von 540 Quadratmetern noch immer einen eigenen Anbau unter Glas und hält ein 450 Quadratmeter großes Staudenquartier vor. Das zahlt auf ein breites Sortiment an Pflanzen für Haus und Garten inklusive Raritäten in hoher Qualität ein – und eben eine ganz besondere Atmosphäre.

Zertifizierte Pflanzendoktoren

Auch an anderer Stelle bekommen die Kunden einen gewissen Anspruch zu spüren. So legt man Wert darauf, dass diese sich in dem Ambiente wohl fühlen. Die Klostergärtnerei-Familie, wie sich das Team selbst nennt, ist sich ihrer Wurzeln bewusst: „Unsere Grundlage ist ein Kloster. Das wollen wir nicht nur im Umgang miteinander und mit den Kunden, sondern auch in Bezug auf Nachhaltigkeit vermitteln“, betont Schmitt.

Letzteres wird ganz praktisch in die Tat umgesetzt. Mit Zierpflanzengärtner Matthias Alter und Staudengärtner Rainer Schneider hält die Klostergärtnerei zwei Pflanzendoktoren parat. Sie helfen den zumeist mailenden Kunden im Rahmen einer zertifizierten Pflanzenberatung weiter, etwa wenn es um naturnahen Pflanzenschutz geht. Bereits seit 2007 bietet man diesen Service an. Bisweilen kommen dafür sogar Kunden aus größerer Entfernung ins Gartencenter, freut sich Schmitt.

Sie haben noch Abo? Dann holen Sie sich das Fachmagazin direkt nach Hause. Neben Handelsgeschichten, bietet Markt in Grün Artikel über neue Produkte und Sortimente, als auch Tipps für die eigenen Betriebsführung.



Daneben macht sich das Team auch anderweitig für die Bewahrung der Artenvielfalt stark. Schon im Vorfeld der 60-Jahr-Feier beteiligte sich der Betrieb an der „Aktion Grün“. Mit diesen an verschiedenen Orten stattfindenden Mitmach-Aktionen will die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken zum aktiven Artenschutz motivieren – egal ob im Garten, auf dem Balkon oder der Fensterbank.

Beratung versus Wettbewerb

Das schützt natürlich nicht vor Wettbewerb. Nach dem Motto „David gegen Goliath“ muss sich auch die Klostergärtnerei auf dem sich wandelnden Markt behaupten. Während man früher eher Gärtnereien zu den Mitbewerbern zählte, sind es heute vermehrt die großen Baumarkt- und Gartencenter-Filialisten. „Mit deren teilweise sehr aggressiven Preispolitik können und wollen wir nicht mithalten“, betont Schmitt. Er setzt daher neben Service und authentischer Beratung vor allem auf eine gute Pflanzenqualität. Zu den Spezialitäten des klösterlichen Gartencenters gehören Kräuter, Stauden, Obstgehölze und Rosen. Eine weitere überregional bekannte Besonderheit ist die umfangreiche Pelargonien-Sammlung und das große Angebot an Duftpelargonien.

Nachhaltigkeit im Fokus

Zum nachhaltigen Angebot gehören auch regionale Lebensmittel
Zum nachhaltigen Angebot gehören auch regionale Lebensmittel
Foto: Schonschek

Auch die Jubiläumsfeier rückte die Nachhaltigkeit in den Fokus. Während eine Spezialistin über die Vorzüge der Effektiven Mikroorganismen (EM) referierte, hielt Neudorff Infos über Nützlinge bereit. Ebenso bienenfreundliche Pflanzen waren ein Thema. Als größter Einzelabnehmer im Westen bekam die Klostergärtnerei von der Firma Quedlinburger eine eigene, mit dem Logo der Gärtnerei versehene Saatgutmischung zur Verfügung gestellt. Zu den non-floralen Produkt-Besonderheiten zählen Tee aus Mecklenburg-Vorpommern, der aus einem sozialen Projekt stammt, sowie die hölzernen Bierkisten für das Klosterbier, die in einer Behindertenwerkstatt gefertigt werden.

(Christina Schonschek)

Der Artikel ist der Ausgabe 06/07.2019 von Markt in Grün entnommen.

17.06.2019